Sommerschule HEIZEN IM ODERBRUCH

3. Juni – 4. Juli 2026
In unserer Sommerschule ging es um einen Teilaspekt des Jahresthemas ENERGIE, um das Heizen.
Auf dem Land findet es im Spannungsfeld von Subsistenzwirtschaft und Versorgungsgesellschaft
statt. Während sich immer noch viele Menschen selbst mit Brennholz versorgen, vollzieht sich eine
große Transformation in überregionale Energiesysteme. Wir wollten herausfinden, wie die Menschen
im Oderbruch heute heizen, wie und womit sie früher geheizt haben und wie sie die Zukunft dieser
elementaren Form des Selbsterhalts sehen. Dies wurde in Interviews vor Ort erhoben, wobei auch
fotografiert und selbst nachgeschaut wurde. Aus den Befragungen entstand diese Ausstellung, die
zum Abschluss in einer performativen Vernissage präsentiert wurde.


Eine Kooperation des Oderbruch Museums Altranft und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde mit: Lilli Bahls, Mina Bartscht, Toni Behm, Tabea Bratke, Lavinia Dannenberg, Johanna Derjong, Jennifer Jekal, Ingmar Klöckner, Nikita Krentzien, Odilia Mast, Djamila Pfennigwerth, Lisa Schwendowius, Niklas Seidel, Ida Skodlerak, Katharina Lipp, Dr. Kenneth Anders, Lars Fischer, Prof. Dr. Uta Steinhardt

In der Werkbank-Ausstellung, die als Ergebnis der Sommerschule präsentiert wurde, wurden die einzelnen Gespräche gestalterisch verarbeitet und im Zusammenhang dargestellt:

Berichte von den Gesprächen

Die folgenden kleinen Berichte wurden im Anschluss an unsere Befragungen am 1. und 2. Juli verfasst. Nur in Ausnahmefällen konnten wir die Texte noch autorisieren lassen. Als Zeugnis der Begegnung sowie vieler inspirierender Gespräche werden sie dennoch hier in der ursprünglichen Form wiedergegeben, wie sie am 4. Juli zur Eröffnung der Ausstellung im Rahmen des Programmtags „Energielandschaft Oderbruch“ im Oderbruch Museum Altranft präsentiert wurden.

Als wir uns der offenen Terrassentür des Hauses näherten und den ockerfarbenen, geschwungenen Lehmofen erblickten, überkam uns direkt eine Art innere Wärme. Die Schönheit des Ofens ist durch andere Orte und Reisen inspiriert. Er bietet einen gemütlichen Sitzplatz, wenn man allein ist. Sind Freunde zu Besuch, ist es aber auch möglich, sich zu sechst „wie die Hühner auf die Ofenbank“ zu quetschen und das warme Plätzchen mit Gegacker zu füllen.

Ich muss schon zugeben: Der Ofen ist raumprägend. Den anfänglichen Schreck über die Größe des „Riesenviehs“, das so groß ist wie „drei Schränke auf einmal“, kann ich verstehen. Doch das Gute an einem so großen Ofen ist: Er braucht zwar lange, bis er warm ist, bleibt dann aber auch lange warm, und man muss nur einmal am Tag anheizen.

Dieses Ritual beschreibt Almut als etwas „Sinnliches“. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie sie morgens als Erstes im Bademantel vor die Tür tritt, Holz holt, die Scheite in die Feuerklappe schiebt, sie anzündet und auf die Wärme wartet, bis das Feuer heiß ist und die Klappe geschlossen werden kann. Geheizt hat sie schon als Kind, als junge Frau, eigentlich ihr ganzes Leben lang. Sie ist eine „leidenschaftliche Heizerin“. Nur „das Kohleschleppen war immer blöde“. „Kohle stinkt, Holz riecht gut und fasst sich gut an.“ Sie heizt lieber mit Holz als mit Gas oder Öl.

Als sie vor 15 Jahren das Haus kauften, war dort bereits eine Gasheizung eingebaut. Eine Bedingung für den Kauf war jedoch, das Haus zusammen mit allen dazugehörigen Grundstücken zu übernehmen. Das bedeutete auch, sich um zehn Hektar Wald zu kümmern, Verantwortung zu tragen und sich Sorgen zu machen: Was passiert, wenn jemandem ein Ast auf den Kopf fällt oder auf die Straße stürzt?

Bei so viel Holz ergibt ein großer Ofen natürlich Sinn. Allerdings hatten sie nicht bedacht, wie das Holz überhaupt ins Haus kommen sollte. Sie hatten weder Erfahrung mit der Holzernte noch die nötigen Geräte oder das Wissen. Jemanden dafür einzustellen, wird zudem schnell sehr teuer. Doch wie es die Nachbarschaft so will, entstand eine „Interessengemeinschaft Wald“. Dort tauscht man Holz gegen die Arbeit, es aus dem Wald zu holen. Bisher mussten sie kaum Bäume fällen und verheizen überwiegend Bruchholz. „Wir haben uns gut getroffen, der Wald und ich.“

Anfangs sollte der Ofen kleiner werden. Im Laufe des Planungsprozesses kam jedoch die Idee auf, die Gasheizung mit der Wärme des Ofens zu speisen. Dafür wurden Konvektoren (Wärmetauscher) in den Ofen eingebaut. Dabei wird Wasser erhitzt und in das vorhandene Heizsystem eingespeist. Das erwies sich jedoch als komplizierter als erwartet und wird derzeit weder genutzt noch benötigt. Für sie reicht ein warmer Ofen, der so groß ist, dass er auch das ganze Haus ein wenig mitheizt.

Heute waren wir zu Besuch bei Florian Flügge in Königlich Reetz, der sich mit der Herstellung von Brennholz und dessen Verkauf selbständig gemacht hat.

Schon auf dem Hof lag überall Holz, in verschiedenen Größen gestapelt und sortiert. Es fuhr ein Baufahrzeug an uns vorbei und wir fragten nach dem gesuchten Florian Flügge. Es war sein Stiefvater Ronald, der uns antwortete und uns zu dem lauten Traktor mit Holzspaltmaschine schickte. Der Mann an der Maschine schalte diese aus, als er uns erblickte, und trat zu uns herüber. Wir wurden freundlich begrüßt, starteten direkt mit unserem Gespräch und wollten nun von Florian Flügge alles übers Heizen erfahren.

Er erzählt uns, dass ihn das Thema Holz nie losgelassen hat, da er schon immer mit diesem Stoff zu tun hatte; er war erst gelernter Zimmermann tat sich später mit seinem Stiefvater, der Dachdecker und Zimmerer ist, als Brennholzhändler zusammen. Seine Mutter Susanne kommt hinzu und ergänzt, dass der Bezug zum Heizen schon als Kind gegeben war, weil die Kinder zum Holzsammeln in den Wald geschickt wurden, damals noch mit dem Sammelschein, der es einem erlaubte, Holz mit einer Handsäge in einer Dicke von 6-8 cm zu werben. Wer mehr wollte, brauchte eine Ausbildung für die Motorsäge und einen Selbstwerberschein. Das Heizen mit Holz war also damals wie heute selbstverständlich. Florian erzählt uns, dass seine Kunden von der nahen Umgebung bis nach Berlin reichen und der Bedarf nach Feuerholz besonders nach Corona rapide gestiegen sei. Dies sei eben die günstigste Variante, wie er uns nach einem Vergleich mit der Ölheizung vorrechnet. Zudem sei das Holzheizen einfach schön. Es ist eine angenehme, wohltuende Wärme. Deswegen heizt er selbst größtenteils mit einem Holzvergaserofen und Solarthermie. Die Mama und der Stiefvater heizen ausschließlich mit Holz, unter anderem mit ihrem Bullerofen in der Werkstatt. Sie wollen dabei möglichst nachhaltig sein, indem nichts weggeschmissen wird. Sie verbrennen die ganzen Reste, die beim Kleinmachen des Holzes anfallen, also die größeren und kleineren Bruchstücke, Späne und Borke. Die Mutter ergänzt, wenn sie Mal keine Kraft mehr haben bzw. wenn der Mann ausfällt, müssten sie sich auch eine Gasheizung holen, sie würden es sonst nicht mehr schaffen.

Ein Teil der Holzreste geht auch an den Rinderhalter in der Nähe für dessen Stall: Es sei weniger rutschig als Stroh. Ein großer Teil des Holzes wird von Florian Flügge selbst gefällt, da er auch als Forstdienstleister tätig ist. Uns wird noch die Buche gezeigt, die er gerade zu Scheiten verarbeitet. Ich wundere mich, dass das schöne Buchenholz dafür herhalten muss, doch Florian erklärt uns schnell, dass es nicht den Qualitätsansprüchen der Sägewerke und späteren Verarbeiter entspricht, hier ein Astloch, da ein Riss, das nimmt ihm keiner mehr ab. Florian bringt zu dieser Thematik ein passendes Zitat: „Der blöde Deutsche. Perfektion ist bei uns großgeschrieben“. Nachhaltig ist das leider nicht. Wir beklagen die Mängel in der Politik.

Wer in Altglietzen die Tür zum Eiscafé von Adelina und Olli öffnet, betritt ein Haus mit Vergangenheit. Früher war hier eine Stellmacherei, in der vor allem Holzräder aber auch Skier gefertigt wurden. Heute stehen Eisbecher auf den Tischen. 2010 hat Olli das Haus vom Vorbesitzer übernommen. Eigentlich ist er gelernter Trockenbauer, heute aber gehört sein Alltag dem Eis. Das stellen Adelina und Olli gemeinsam mit seinem Vater her, nach Grundrezepten aus DDR-Zeiten. An einem warmen Sommertag gehen allein acht Kilo Vanilleeis über die Theke.

Eigentlich dreht sich in diesem Haus also alles um Kälte. Und doch mussten sich Adelina und Olli irgendwann Gedanken über das Gegenteil machen. In der vormaligen Stellmacherei gab es nur einen kleinen Werkstattofen. Für das Eiscafé musste eine andere Lösung her. Dass ausgerechnet eine Infrarotheizung die Lösung sein würde, ergab sich eher zufällig. Die Entscheidung dafür fiel dann aber ganz bewusst, gemeinsam mit einem befreundeten Elektriker aus dem Nachbarort.

Seit drei Jahren hängen flache Platten unter der Decke, deren Wärme nicht unmittelbar die umgebende Luft, sondern alle Gegenstände im Raum erwärmt, die diese Wärme dann gleichmäßig an den Raum abgeben. Sie nimmt kaum Platz weg und braucht keinerlei Wartung. Wer nicht nach ihr sucht, übersieht sie leicht. Manche Modelle sehen sogar aus wie Bilder oder Spiegel. Billig war das nicht, aber seither wird es im Café genau dann warm, wenn es warm sein soll.

Zwei Winter lang testeten die beiden, ob sich das Café auch in der kalten Jahreszeit durchgehend betreiben lässt. Unterm Strich blieb es jedoch ein Nullsummenspiel. Nun ist im Winter nur für den monatlichen Rentnertreff und die Skatrunde sowie zu einer Silvesterfeier geöffnet. Das Café hat von den ersten warmen Tagen des Jahres bis Ende Oktober geöffnet. Eine Fehlinvestition war die Heizung trotzdem nicht. Denn warm wird es im Café weiterhin zuverlässig. Und ganz abgeschlossen ist das Thema Wärme für Adelina und Olli ohnehin noch nicht, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll folgen, sobald ausreichend Geld angespart ist. Und einen Wunsch gibt es noch: „Schöner wär’s, wenn die Wärme von unten kommt“, sagt Olli und meint damit Erdwärme. Bis dahin kommt sie aber eben von oben.

Beim Betreten des Grundstücks werden wir zunächst schwanzwedelnd von der Labradorhündin Laika begrüßt sowie anschließend von ihrem Herrchen Andreas Schmidt-Frielinghaus. Er lädt uns zum Sitzen ein und wir kommen schnell ins Gespräch. Zuerst erzählt er uns von sich und was er beruflich macht. Er studierte Nutztierwissenschaften. Nach seinem Studium war es zur Zeit der Wende schwer, einen Job in der Landwirtschaft zu finden, ähnlich wie in der heutigen Zeit. Als Landwirt mit Marktfruchtproduktion, Milch- und Rinderproduktion, erzählt er uns von den Problemen in diesem Berufsfeld. Die Bedingungen werden immer schwieriger. Die Monopolstellung der aufkaufenden Hand, die hohen Kosten und die gesamtpolitische Lage seien die Hauptprobleme. Er legt uns drei jungen Studentinnen nahe, dass der Einstieg in die Landwirtschaft derzeit gut zu überdenken wäre auch wenn es ein schöner Beruf ist. Nach dieser spannenden Debatte zur Landwirtschaft widmen wir uns dem eigentlichen Thema des Heizens. Andreas Schmidt-Frielinghaus hat sich viele Gedanken um seine Heizanlage gemacht, da er ein großes Haus zu beheizen hat. Schlussendlich entschloss er sich für eine Kombination aus Solarthermie, Festbrennstoffkessel, Gasheizung und einem Balkonkraftwerk. Zur Notstromversorgung hat er sich für alle Fälle ein Notfallstromaggregat gekauft.

Für die Solarthermie entschied er sich, weil sie kostengünstig ist, effizient und einen geringen Wartungsaufwand hat. Mit dieser erzeugt er auch sein Warmwasser. Im Sommer hat er einen riesigen Wärmeüberschuss. Im Winter reicht die Solarthermie allerdings nicht mehr aus. Dort springt der Feststoffkessel mit ein. Das Holz dafür fällt zum großen Teil bei der Feldrandpflege an. Der Zukauf von Holz für die eigentliche Heizung wäre deutlich zu teuer. Die Gasheizung wird nur ausnahmsweise genutzt, wenn es ganz kalt wird oder wenn die Bewohner nicht da sind und das Haus nicht einfrieren soll. Er beschreibt uns, dass das Holz für ihn eine tolle Sache ist, aber auch aufwendig, es braucht viel Arbeit und Kraft. Vier Tage ist er nur mit Spalten und Stapeln beschäftigt. Es ist unter anderem vorteilhaft, weil man die Kinder bei der Holzbergung an Arbeit heranführen kann. Wenn man den ganzen Tag gearbeitet hat, fühlt man sich wohl, etwas geschafft und etwas für seine Fitness getan zu haben.

Andreas Schmidt-Frielinghaus sagt zum Schluss, dass er erneuerbare Energien für eine gute Sache hält. Durch sein Balkonkraftwerk muss er jährlich nur noch 40 Prozent des Stroms vom Netzanschluss beziehen. Sein Landwirtschaftsbetrieb bezieht Strom über eine eigene Photovoltaikanlage. Aufgrund der hohen Auslastung im Milchviehbetrieb gestaltet sich das als sehr vorteilhaft. Das sei aber nicht immer problemlos, sagt er, weil es Probleme mit den Solaranlagen in der Region gibt. Zu den Spitzensonnenzeiten im Sommer kam es hier schon zu Stromausfällen. Auch Biogasanlagen haben ihre Probleme, deswegen betont er nochmal: „Die Idee ist sehr gut und ich sehe sehr viel Potenzial, aber aufgrund der Interessenkonflikte zwischen Produzenten der erneuerbaren Energie, Energieversorgern, Netzbetreibern und den Konsumenten gestaltet sich ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien als schwierig“.

Der Name „Black Cabin“ ist Programm, denn das Erste, was wir sehen, ist ein schwarzes Holzhaus, das völlig aus der Reihe der anderen Häuser in Sophienthal tanzt. Dort angekommen, wurden wir sofort von Christoph Sagel begrüßt, der uns zu Beginn empfahl, uns das gesamte Grundstück mit den fünf verschiedenen Tiny Houses in Ruhe anzuschauen und die Ferienhäuser auch zu betreten. Das Erste, was sofort auffiel, war das in allen Häusern verbaute unbehandelte Holz, gepaart mit moderner, minimalistischer Einrichtung. Auch der Außenbereich stach heraus: Eine blütenreiche Wildstaudenmischung, in der es nur so von Bienen und Schmetterlingen wimmelte. Nachdem wir uns alles angeschaut hatten, setzten wir uns mit Christoph auf einen Kaffee zusammen, und er verrät und nun, was es mit den Häusern auf sich hat oder wie andere ihm gegenüber formuliert haben: „Du hast hier ein Dorf im Dorf gebaut.“

Doch zunächst zu Christoph selbst: Er ist 50 Jahre alt und im Ruhrgebiet geboren. Bereits als Waldorfschüler beschäftigte er sich im Rahmen einer Jahresarbeit mit dem Thema erneuerbare Energien. Nach einem abgebrochenen Architekturstudium arbeitete er 25 Jahre als Fotograf in der Werbebranche. Vor zwölf Jahren kaufte er ein Grundstück in Sophienthal, auf dem er zunächst ein Wochenendhaus baute – das nun auch das namensgebende schwarze Holzhaus „Black Cabin“ ist. Wenig später verlagerte er seinen Hauptwohnsitz aus Berlin und wohnt nun dauerhaft dort. Vor zweieinhalb Jahren begann er dann mit dem Bau weiterer Tiny Houses, die der Idee des modernen klimabewussten Holzbaus folgen. Dabei war es ihm wichtig zu wissen, woher seine Rohstoffe kommen, und er legte großen Wert darauf, Firmen aus der Region einzubinden. Stolz sagte er: „Moderner Holzbau kann auch anders sein.“ Auffällig war auch, dass die Häuser erhöht stehen – dies hänge, wie er erklärte, mit der Hochwassergefahr zusammen, die in der Nähe der Oder immer gegenwärtig ist. Ebenso auffällig waren die Wärmepumpen, die für die Region eher unüblich sind. Lachend berichtete er von den Reaktionen mancher Anwohner, die meinten: „Wenn ihr ein Elektroauto habt, dann habt ihr bestimmt auch eine Wärmepumpe.“ – worauf er erwiderte: „Ja, und auch einen Staketenzaun von Manufactum.“ Weniger entspannt reagiert er auf Flugblätter im Briefkasten mit der Aufforderung „Egal, ob du aus der Antarktis kommst oder aus Berlin, du hast dich unterzuordnen.“ Diesen Hass verstehe er nicht, nur weil er nicht aus der Region stammt und Wärmepumpen sowie ein Elektroauto nutzt. Dennoch hält er an seiner Überzeugung fest, dass Wärmepumpen in Kombination mit anderen erneuerbaren Energien die Zukunft sind. Für sein System nutzt er Erdwärme, da diese in Verbindung mit Wand- und/oder Fußbodenheizungen einen höheren Wirkungsgrad erzielt. Stolz erklärte er, wie vorteilhaft dieses System in Kombination mit den Photovoltaikanlagen auf seinen Dächern sei. Die Häuser können damit nicht nur problemlos im Winter geheizt, sondern im Sommer auch gekühlt werden. Er räumte aber auch ein, dass seine Wärmepumpe bei sehr strengen Wintern an ihre Grenzen stoße. Für solche Tage habe er zusätzlich einen Pelletofen. Das Warmwasser gewinnt er vor allem über Solarenergie und speichert es in einem Edelstahlbehälter. Besonders dankbar ist er dabei dem örtlichen Handwerker Wolfgang, der 20 Jahre in Norwegen gelebt hat, wo Wärmepumpen bereits seit langer Zeit als übliche Heizmethode etabliert sind.  Die energetische Vernetzung der Häuser auf seinem Grundstück sollte in seiner Vision Schule machen für größere lokale Netzwerke: Teilen und Verbrauchen vor Ort – darin sieht er die Zukunft, in der er nicht nur Häuser bauen, sondern Orte schaffen möchte.

Am Gartenstück auf der anderen Straßenseite empfängt uns Elke Metz mit Handschlag und einem Eimer frisch gepflückter Schoten in der Hand: „Na dann kommt mal mit!“ Wir überqueren die Straße und betreten den Hof des Ehepaares.

„Das ist das Ding“, sagt sie und zeigt auf die drei Jahre alte Wärmepumpe des Hauses, eingepackt unter einem passenden Stoffbezug, welchen ihr Mann Jürgen Metz entfernt. 1990 hatten die beiden eine Ölheizung einbauen lassen, die hat ihren Job bis vor ein paar Jahren einwandfrei erledigt. Nach all der Zeit gab es jedoch einige Probleme und Ersatzteile wurden immer knapper. Eine Alternative musste her. Ein Gasanschluss kam eigentlich nicht infrage und da man von der Politik durch Gesetze, aber auch Förderungen, in diese umweltfreundlichere Alternative gedrängt wurde, fiel die Entscheidung auf die Wärmepumpe. Diese wurde dann auch mit etwa 50 Prozent der Kosten gefördert.

Gerade wird sie nicht benötigt, „es ist ja Sommer“. Solarplatten auf dem Dach gibt es auch, das System hängt zusammen. Von Oktober bis April jedoch wärmt die Pumpe das Haus zuverlässig. Vor allem Elke war zunächst skeptisch, im Winter, mit Schnee, der auf den Solarplatten liegt, außerdem die Bewölkung. „Die Wärmepumpe steht ja auch den ganzen Winter draußen“. Doch alles hat gut geklappt. Der Strom für die Wärmepumpe kam aus dem Netz. „Es waren -15 Grad und nicht einmal der Heizstab ist angesprungen.“ Dieser würde nur anspringen, wenn die Pumpe versagen würde, was trotz der Vereisung der Pumpe im Winter nicht passiert ist. „Im Winter sieht sie manchmal aus wie ein Eisklotz.“

Die Wärmepumpe ist mit 18 Kilowatt eine große, mit dazugehörigem 500-Liter-Wassertank im Keller. Den zeigt uns Jürgen Metz stolz. Wir merken sofort: Hier hat man sich mit der Pumpe beschäftigt. Er erklärt uns die Einstellungen. „Die sind das Wichtigste, sonst steigen die Kosten.“ Die Menge an einstellbaren Werten ist erschlagend. Für Jürgen nicht mehr. In einem Notizbuch hat er täglich Tages- und Nachttemperaturen, Verbrauch und weitere Werte fein säuberlich notiert, auch die dazugehörige Handy-App bedient er problemlos.

Nur die Frostschutzfunktion der Wärmepumpe gefällt ihm nicht. „Die springt bei sechs Grad schon an, das kann man nicht ändern.“ Wenn absehbar ist, dass keine Frostgefahr besteht, befestigt Jürgen eine selbstgebaute Konstruktion aus einer Isolierbox und einem Handwärmer über dem Temperatursensor der Pumpe, um diesen auszutricksen. Alles will man der Wärmepumpe dann doch nicht überlassen. Sowieso ist man wegen der Abhängigkeit vom Stromnetz – und möglicher Anschläge darauf – verunsichert. Ein Notstromaggregat könnte im Notfall Abhilfe leisten. Den Einbau bereut das Ehepaar jedoch keineswegs.

„Ein Dach will ich auch noch bauen“, sagt Jürgen und zeigt zur Pumpe. Hier scheinen sich sowohl Pumpe als auch Mensch gegenseitig zu versorgen.

Als wir das Betriebsgelände betreten, sticht direkt der alte Schornstein der ehemaligen GPG (Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft) ins Auge. Heute ist er nicht mehr in Betrieb, stattdessen fungiert er nun als Funkmast. Aus Backstein gemauert überragt er um mehrere Meter die Gewächshäuser und deren Heizgebäude. Der Geschäftsführer Markus Gläser führt uns über das Gelände und erklärt uns, dass nach der Wende die Gewächshäuser nicht mehr betrieben wurden, erst als das Ölfeld unter der Oder bei Manschnow erschlossen wurde, wurden die Gewächshäuser wieder in Betrieb genommen. Das Erdölbegleitgas wurde mit einer Pipeline in das neben den Gewächshäusern stehende Blockheizkraftwerk geleitet, wo es verstromt wurde.Die angefallene Abwärme wurde für das Heizen der Gewächshäuser genutzt. 2020 wurde die Erdölförderung eingestellt und somit fiel die Wärmequelle der Gewächshäuser aus, erzählt Gläser. Als Reaktion darauf wurde, noch bevor die Preise explodierten, ein Erdgasanschluss verlegtund die Gewächshäuser nun mit der Notheizung beheizt.

2023 erwarb ein benachbarter Landwirt die Einspeiserechte vom Energieversorger EWE und verlegte eine Pipeline von seinem drei Kilometer entfernten Betrieb mit Biogasanlage zum Blockheizkraftwerk. Seitdem werden die Gewächshäuser wieder mit der Abwärme des Verstromungsprozesses beheizt.

Mit Gläser betreten wir das Heizhaus. Der Raum wird ausgefüllt von zwei grünen, mannshohen und meterlangen Motoren, zwischen ihnen steht noch ein Wassertank. Diese großen Schiffsmotoren verstromen das Biogas. In dem Raum ist es muckelig warm, überall sind Rohre mit Thermometern und Schaltern. Ich halte meine Hand an das Vorlaufrohr, es ist richtig angenehm warm. Verfolgt man das Rohr, führt es außerhalb des Gebäudes auf Firsthöhe zu dem 1500 Kubikmeter fassenden, silbern glänzenden, haushohen, zylindrischen Wasserspeicher. Dieser wird benötigt, da das Biogas primär morgens und abends für jeweils vier Stunden verstromt wird, wenn gerade der Bedarf hoch ist, und keine Spitzen stattfinden. Die Gewächshäuser brauchen aber immer Wärme, durch den Speicher kann die Wärme einfach bei Bedarf bezogen werden.

Wir betreten nun eines der Gewächshäuser, es ist komplett bestückt mit Tomatenpflanzen. Ordentlich sitzen die Wurzelballen in kleinen quadratischen Substratblöcken, die wiederum in Steinwolle sitzen. Die Pflanzen an sich sind schon meterweise abgeerntet und blattlos und schweben waagerecht auf Höhe des Substrats, bis sie sich, bestückt mit fast reifen Früchten, aufrichten. Die jungen Triebspitzen ranken sich um den Faden, mit dem sie an der Tragstange aufgehängt sind. Hier in diesem Raum kann alles kontrolliert werden: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wasser- und Nährstoffzufuhr zu den Pflanzen, die Lichtintensität. Zwischen den Pflanzenreihen laufen jeweils zwei Rohre knapp über dem Boden, die Fußheizung. Auf diesen Rohren laufen auch die Arbeitswägen und Spritzroboter. Auf Höhe der Pflanzen verläuft auch ein dünnes Rohr, die Vegetationsheizung, um die Pflanzen nach Bedarf trockenzuhalten. Zudem gibt es noch die Dachrohrheizung, um den Schnee abzutauen, falls die Schneelast zu groß wird. Dieses Gewächshaus ist schon älter und nur einfach verglast, eine neue Verglasung, die natürlich die Isolierfähigkeit verbessern würde, wäre zu teuer.

Das nächste Gewächshaus, das wir nun betreten, ist neuer, hier ist alles mit Stegmehrfachplatten verglast. Dadurch kann man die Umgebung nur noch verwaschen sehen, die im Glas eingeschlossenen Hohlräume isolieren und schützen vor Wärmeverlust. Außerdem sind die Decken hier viel höher. Je mehr Masse, desto stabiler die Temperaturhaltung ist die Idee dahinter. Abschließend führt uns Gläser noch an den ganz alten Gewächshäusern aus GPG-Zeiten vorbei. Von ihnen sind nur noch die verzinkten Gerüste übrig. Diese werden nun Stück für Stück mit Solarpanelen bestückt. Darunter ein paar kleine Feigenbäume in Eisenkäfigen.

Wir stehen vor einem eisernen Tor. Von der anderen Seite kommt uns Arbeitslärm und Geschnatter entgegen. Wir treten auf den Hof unseres nächsten Interviewpartners und zwei Gänse machen sich lauthals bemerkbar. Ein Mann mit einer grünen Latzhose kommt auf uns zu. Er ist ein sehr freundlicher Mann, dem man sofort ansieht, wie viel ihm an diesem Hof liegt. Voller Stolz zeigt er uns seinen Hof und führt uns herum. Der Hof ist sehr groß und besteht aus zwei Teilen. Auf der einen Seite sind das Wohnhaus und die Werkstatt.

Das Haus wird mithilfe großer Öfen geheizt. Dort werden Holz und Kohle verbrannt. Das Holz wird luftdurchlässig gestapelt und soll mit seiner langen erprobten Heizvariante am besten brennen. In der Werkstatt wird ein Warmluftofen ebenfalls mit Hilfe von Holz geheizt. Falls es aber einmal sehr schnell warm werden muss, gibt es auch noch einen kleinen Ölofen.

Auf der anderen Seite des Gartens liegt ein großes Gemüsebeet. Auf diesem wachsen alle möglichen Salate, Zwiebeln und allerhand Gemüse. Ebenfalls sind viele Holzbiegen zu sehen, entweder geschnittene Stämme oder schon verkleinerte Scheite. Die Holzarten reichen von Eiche über Pappel und Weide bis Esche. Eiche ist ein sehr geeignetes Brennholz, da es ein Hartholz ist. Es hat einen hohen Brennwert, das führt zu einer längeren Brennzeit, und viel von der gespeicherten Energie wird in Wärme umgewandelt. Pappel hat nicht so einen großen Brennwert, wird aber auch verbrannt. Voller Stolz erklärt der Hofbesitzer, dass man Eiche am besten im nassen Zustand spaltet, da im trockenen Zustand die Fasern stärker zusammenhalten und man sich eher noch sein Beil als den gewünschten Holzstamm entzweischlägt. Zudem erfuhren wir, dass man das Holz am besten im Frühling spaltet und dass es mindestens drei Jahre dauert, bis es ganz durchgetrocknet ist und man es zum Feuern gebrauchen kann.

„Holz macht einfach mehrfach warm“, sagt der Hofbesitzer ganz passend, und ein Lachen huscht über sein Gesicht. Ein großer Teil des Heizens mit Feuer sei das Planen. Man müsse immer Jahre im Voraus planen und auch einberechnen, dass es Jahre gibt, in denen man sich zum Beispiel den Arm bricht und nicht hacken kann.

Bald schon waren wir am Ende unseres Rundgangs angekommen. Freundlich verabschiedete sich unser Interviewpartner und zeigte uns zum Abschied noch ein Paar sehr niedliche Katzenbabys. Anschließend liefen wir vom Hof und waren gerade dabei, das Tor hinter uns zu schließen, als er uns noch nachrief, dass es ein Messgerät gibt, mit welchem man messen kann, ob das Holz bereits durchgetrocknet ist. Er meinte zudem, dass wir das unbedingt in diesen Text hier schreiben sollen! Lächelnd stiegen wir in das Auto ein und fuhren davon.

Wir treffen Frieda Weidner-Timm, die ab heute, dem 01. Juli 2026 im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Schornsteinfegerin ist. Schon nach den ersten Minuten merkt man, wie viel Freude sie an ihrem Beruf hat. Angefangen hat alles, als sie gemeinsam mit ihrem Vater ein Moped aufbaute. Dabei stellte sie fest, dass ihr handwerkliche Arbeit richtig Spaß macht. Nach einem Gespräch mit ihren Eltern kam die Idee für die Schornsteinfeger-Ausbildung, die sie direkt nach der 10. Klasse anging. Sie erzählt uns, dass sie es mag, „etwas zu machen, was nicht jeder macht“.

Je länger wir mit ihr sprechen, desto begeisterter werden auch wir von ihr und ihrem Beruf. Frieda erzählt, dass ihre Hauptaufgaben das Kehren und Messen sind. Darüber hinaus übernehmen sie, ihr Lehrgeselle und der Bezirksschornsteinfeger aber auch weitere Arbeiten wie das Reinigen von Kachelöfen oder sogar das Mauern von Schornsteinen. Entgegen vieler Vorstellungen klettern sie heute eher selten in einen Schornstein hinein. Besonders gefällt ihr der Kontakt zu den Menschen. Sie erzählt, dass in ihrem Beruf viel Menschlichkeit steckt, weil jede Situation anders ist und man sich auf die jeweiligen Lebensumstände der Kunden einstellen muss. Dadurch entstehen viele nette Begegnungen. Manchmal wird man sogar zum Frühstück oder auf ein Stück Kuchen eingeladen.

Für die Zukunft hat Frieda bereits klare Pläne. Sie möchte ihren Meister in Erfurt machen und sich zusätzlich im Bereich Energieberatung weiterbilden. So will sie sich ein zweites Standbein aufbauen und später einmal selbstständig arbeiten.

Eine freundliche Katze begrüßt uns bei Ankunft. Der Weg in den Innenhof führt vorbei an süßen Kirschen, Beeren, Sträuchern und unreifen Pflaumen. Frau Fechner kommt freundlich auf uns zu. Bevor wir uns setzen und über das Heizen sprechen, gehen wir in die Hütte und begutachten den neuen sowie den alten Spalter. „Der Alte eröffnet die Möglichkeit, große Stücke bis zu 45 Zentimeter Höhe zu spalten! Der Neue kann das nicht, der hat nur mehr Wumms“, so Frau Fechner. Der alte Spalterzylinder war leider kaputt und musste geschweißt werden. Frau Fechner wirkt sichtlich erleichtert, als sie davon spricht, dass er repariert wurde. „Also da, wo schon ritzen sind, da treibt man den Keil rein. Dann hört man es schon: Knirsch, knirsch – das Holz beginnt zu knacken“, erklärt sie uns.

Das Anwesen ist voll mit Holz. Wenn Frau Fechner uns fragt, ob wir es mal selbst probieren möchten, können wir natürlich nicht nein sagen. Mit dem Holzschlaghammer dürfen wir also mit mehreren Schlägen den Keil in das Holzstück hämmern. Tatsächlich hören wir das Knirschen des Holzes, das sich anhört, als würden Eisschollen brechen. Frau Fechner nimmt das Brecheisen und schon ist das Holz in zweigeteilt. „Das ganze Holz hier, wandert in den Holzvergaser im Keller. Ein bisschen davon wandert auch in den Kamin“, sagt sie.

Auf dem Weg in den Keller sehen wir wieder ein paar Haustiere. Das leichte Nieselwetter lädt die Katzen dazu ein, unter dem Vordach zu schlafen. Das Geländer der Kellertreppe sei vom Abriss in der Poststraße in Wriezen recycelt worden, meint Frau Fechner. Sie weiß ganz genau, wo sie welches Holz hergenommen hat. Der Keller ist voll mit Spinnenweben und Geschichten. Im letzten Zimmer steht der große Holzvergaser, direkt daneben ein ganzer Raum mit Holz. Der Holzvorrat bestehe fast zu 100 Prozent aus selbst beschafftem Holz. „Nur selten muss ich Holz zukaufen. Wenn, dann ist das aber auch nicht besser als das selbst gesammelte“, sagt sie trocken und fährt fort: „Der Holzvergaser heizt das ganze Haus. Ich habe hier zwei Puffertanks mit 500 Liter und feuere im Winter einmal täglich. Das Gebläse bläst sachte vor sich hin. Wenn der Ofen heiß ist, heizt er das Wasser mit an“. Frau Fechner hat aber auch im Sommer heißes Wasser und muss dafür nicht extra heizen. Warmwasser gibt es ganzjährig mit einem Durchlauferhitzer und in der Küche unter dem Tisch sei ein Boiler. Darüber hinaus hat sie einige Solarplatten, die das Haus an sonnenreichen Tagen mit Strom versorgen.

Wir gehen wieder in den Vorderhof und dürfen uns in dem Allzweckraum umsehen, in dem ein Kamin steht. Das sei ein ehemaliger Schweinestall gewesen. Der ortsansässige Schornsteinfeger komme regelmäßig und messe alle Werte, sagt Frau Fechner. Sowohl vom Holzvergaser als auch vom Kamin.

Bei einer Tasse frisch gebrühtem Tee mit Kräutern aus dem Garten, zeichnet Frau Fechner ein schönes Bild von Gemeinschaft, vom gemeinsamen Anpacken beim Holzarbeiten und erzählt diverse Geschichten von Holzbergungen und alte Familiengeschichten rund um den Kamin. „Wenn ich Holz sehe, ist das wie Blitzgewitter im Kopf“, schmunzelt sie.

Der letzte Appell an uns: „Sich der Natur zu widmen, ist natürlich eine ganz wichtige Sache. Ich möchte euch ermutigen. Das, was ihr macht, ist wertvoll und wahrhaftig. Weiter so!“

Wir steigen aus dem Auto aus und gehen auf das Bad Freienwalder Heizhaus zu. Wir vier begrüßen Heinz Methner, er erklärt uns, dass die Stadtwerke Bad Freienwalde ein Tochterunternehmen der Wohnungsbaugesellschaft sind. Er ist gelernter Elektriker und arbeitet seit 2012 dort. Die Stadtwerke sind ein reines Fernwärmeunternehmen und beheizen die nahestehenden Wohnblöcke, eine Schule und eine Kita. Von außen ist diese Leistung nicht sofort erkennbar, nur ein leises Brummen ist zu hören. Doch als wir hineingingen, wurde es lauter! Dort zeigte uns Herr Methner drei verschiedene Heizkessel. Sie werden mit Öl und Gas betrieben, weshalb sich hinter dem Gebäude ein riesiger Öltank mit Platz für bis zu 100.000 Liter befindet. Außerdem steht seit 2007 neben den zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) eine Wärmepumpe, die mit Erdwärme aus 90 Meter Tiefe betrieben wird.

Das Heizgebäude wurde 1986/87 gebaut und zu dieser Zeit noch mit Kohle betrieben, bis es 1992 auf Öl umgerüstet wurde. Insgesamt können hier bis über 2.000 Kilowattstunden pro Stunde erzeugt werden. In einem kleinen Haushalt werden vergleichsweise 2000 bis 3000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht. Nach etwa vier Minuten ziehen einige ihre Jacken aus, weil das Heizhaus durch den laufenden Betrieb auch immer Wärme abbekommt. Die Anlage ist 24 Stunden für 365 Tage im Jahr in Betrieb und läuft mehr oder weniger autark. Alle paar Tage schaut Herr Methner selbst vorbei, und auch andere Beschäftigte kontrollieren regelmäßig den Betrieb. Bei Fehlermeldungen wird er natürlich direkt informiert, aber die Meldung geht auch an den 24-Stunden-Gebäudservice der Firma „Platz“. Am Ende zeigte uns Herr Methner in seinem Büro verschiedene Grafiken, an denen zum Beispiel die Wassertemperatur sowie der aktuelle Verbrauch des erhitzten Wassers abgelesen werden kann. Diese Kurve schwankt beispielsweise durch das Duschen. Wird es zu heiß oder zu kalt, wird automatisch nachreguliert. Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen: „Stehendes Wasser ist nicht so gut wie Wasser, das in Bewegung ist.“

Ein Sackgassenweg durch zwei Äcker führt uns zu dem Grundstück von Jan und Sarah. Sie verabschieden gerade einen Nachbarn und empfangen uns dann im fliegenden Wechsel. Es gibt Kirschen und schwarzen Tee.

Wir sitzen in ihrem Garten, den sie ihr „Wohnzimmer“ nennen. Geschlafen wird im alten Bienenwagen, den ihnen ein Imkerfreund überlassen hat. Gekocht wird im Zirkuswagen nebenan, der früher das „zu Hause“ einer Bärin war. Und dahinter: eine große Baustelle. Dach und Wände des neuen Hauses stehen schon auf den Grundmauern des ehemaligen Stalls. Es soll fließend Wasser geben, Solarthermie vom Dach – die Dachfläche reicht aus für mehrere Kilowatt – und ein schwedisches Heizungssystem. Den Heizkessel hat Jan schon unter der Bodenplatte vergraben, 3 mal 3 Meter aus verzinktem Stahlblech und mit Styropor umhüllt, damit das geheizte Wasser nicht von dem sehr nahen Grundwasser auf 7 Grad Celsius abgekühlt wird. Aber Erde isoliert auch, weiß Jan. Mit Rohren soll das im Kessel erhitzte Wasser dann kreislaufförmig einmal durchs Haus fließen. Er glaubt, dass kein anderer im Oderbruch solch ein Heizungssystem besitzt – er hat es einem Freund in Schweden abgeschaut.

Jan macht sich generell viele Gedanken zur Energiegewinnung und kreisläufen. „Es macht auch Spaß“, sagt er, „es ist ja alles da an Energie. Das ganze Universum ist voll davon.“ Um das alles aber auszunutzen, braucht man Zeit. Für die Dusche, die derzeit noch in einem kleinen Hüttchen hinterm Bienenwagen aufgestellt ist, gibt es einen Gasdurchlauferhitzer. Es gibt auch eine ausgeklügelte Trockentrenntoilette – mit herrlicher Aussicht über die Landschaft. Ausscheidungen werden zu Dünger und „goldener Terra Preta“ weiterverarbeitet und dem Gemüsegarten beigefügt. Es wächst allerlei an Gemüse, Hühner laufen herum. Es ist klein und schön. Alles fügt sich in ihre Lebensweise, die sich an natürlichen Kreisläufen orientiert.

„Letzten Winter waren es nachts im Wagen meistens 5 Grad“, erzählen sie uns. „Manchmal sind wir bei 2 Grad aufgewacht,“ sagt Sarah „da habe ich erst erkannt, wie sinnvoll Schlafmützen sind.“ Diese und menschliche Wärme haben ihnen das Überwintern ermöglicht. „Man gewöhnt sich dran“, meint Jan, „aber im Winter werde ich auch zum Warmduscher.“

Den kleinen Holzofen im Schlafwagen feuern sie mit Knüppelholz aus dem Wäldchen hinterm Grundstück. Ulme, Esche und Linde.

Die Lebensweise von Jan und Sarah erzählt von Selbstbestimmtheit und Autarkie. „Froh zu sein bedarf es wenig“, meint Jan dazu und er ist auch der Meinung: „Wir leben hier im Luxus.“ Das alles sei nur im Oderbruch möglich, als einzigem Ort in Deutschland. Davon ist er fest überzeugt. Das Einzige, woran es mangelt, ist Zeit. Er bräuchte mehrere Leben, um all seine Bauideen umzusetzen.

Einen Küchenofen müssen sie noch suchen. Alles wird selber gemacht oder getauscht mit Nachbar*innen. „Ich habe meine ganze Zeit mit Reparieren verbracht“, sagt Jan. Er packt häufig bei Bekannten an, kann im Gegenzug dafür den Bagger ausleihen. „Zwei gute Hände und ´nen Kopf an der richtigen Stelle. Und man hilft sich und kriegt immer etwas zurück.“

Wir parken das Auto auf den von Blumenkübeln begrenzten Parkplatz des Schweizerhauses. Es ist Teil einer riesigen, in die hügelige Landschaft angepassten Anlage, erbaut von Hugo Simon ab dem Jahr 1919. Marion Krüger arbeitet hier ehrenamtlich mit vielen anderen Menschen zusammen. Nachdem sie uns herzlich begrüßt, setzen wir uns und kommen sofort ins Gespräch. Schnell wird klar, hier gibt es einiges zu lernen und begeistert hören wir Frau Krüger zu.

Auf der Anlage gibt es verschiedene Gebäude, unter anderem eben das Schweizerhaus, das bereits 2018 saniert wurde und von innen wie auch von außen prächtig strahlt. Geheizt wird dieses Haus über eine Gasheizung und zusätzliche Kachelöfen. „Vor allem in der Übergangszeit reichen die aus“, meint Frau Krüger. Im Winter ist die Gasheizung jedoch unverzichtbar. Man wollte sich nicht von einer Art des Heizens abhängig machen und so war es ursprünglich geplant, zusätzlich noch Hackschnitzel zu verbrennen. Für drei verschiedene Heizarten gab es allerdings keine Fördermittel, deswegen beschränkte man sich auf Gas und die vorhandenen Kachelöfen. Generell versucht man hier mit dem, was vor Ort ist, zu arbeiten, „so, wie es auch Hugo Simon tat“. Die Bäume und das Holz der Anlage reichen aus, es wird kein Holz zugekauft. „Das ist auch nachhaltiger, wenn man regional nutzt, was vorhanden ist“, betont Marion Krüger nochmals.

Als wir die Anlage erkunden, schauen wir uns die ebenfalls sanierte Scheune an, welche gar nicht beheizt wird und auch noch nie beheizt wurde.

Auf unserer Tour erkennen wir außerdem die verschiedenen Bewirtschaftungsperioden. Einige von Hugo Simon erbaute Gebäude waren abgerissen worden, und als zu DDR-Zeiten das Volkseigene Gut VEG-Gemüsebau die Anlage nutzte, „wurde eben schnell was aufgebaut“. Das hat selbstverständlich vieles verändert, aber trotzdem ist Marion Krüger froh, dass die weitere Nutzung zum Erhalt des Geländes beigetragen hat.

Wir gehen weiter auf einem abenteuerlichen Weg den Nordhügel hinauf zur alten Orangerie. Die bestand aus einem Mittelhaus, von dem jeweils rechts und links ein Gewächshausflügel abging. Das Mittelhaus wird auch Heizhaus genannt, da hier die Schwerkraftheizung stand, welche über unterirdische Rohre die heiße Luft verteilte.  Heute ist sie heruntergekommen und verrostet, aber nicht weniger beeindruckend. Wir erkunden noch weiter die Anlage, vom Bienenpalast über das Goethehaus zurück zum Startpunkt.

Gemeinsam mit Nachfahren von Hugo Simon „baut man hier auf Scherben der Geschichte ein neues Fundament“. Ein Ort, an dem Menschen eintauchen können, Kuchen essen, spazieren gehen. Warm haben sie`s dabei auch, eben durch Gas und Holz!

Martin Wiese ist Leiter der Bau- und Ordnungsverwaltung der Gemeinde Letschin. Wir trafen uns im Besprechungsraum des Rathauses, das eher an eine alte Schule oder ein Wohnhaus erinnert. Die Jalousien waren heruntergefahren, und trotzdem war es warm im Raum. An diesem Ort wird auf kommunaler Ebene an der Schnittstelle zwischen Politik und Realität mit politischen Vorgaben gearbeitet und ein Umgang mit ihnen gefunden.

Das aktuelle Beispiel ist der umfassende Kommunale Wärmeplan für die Gemeinde Letschin. Dieser wurde zu 90 Prozent durch Bund und Land gefördert. Die Erstellung des Plans ist verpflichtend, die Umsetzung der formulierten Ziele jedoch noch offen. Die Finanzierung gab es bislang nur für die Planung; das Geld für die Umsetzung muss noch aufgebracht werden. Die finanziellen Mittel der Kommune sind knapp, einige der geförderten Projekte kommen wegen des erforderlichen Eigenanteils von bis zu 50 Prozent erst gar nicht infrage.

Der Wärmeplan soll bis 2045 umgesetzt werden und hat die Klimaneutralität der Energie- und Wärmeversorgung zum Ziel. Zurzeit werden 90 Prozent der Energie für Wärme und 10 Prozent für Elektrizität verwendet. Die Bestandsanalyse zeigt großes Potenzial in der Umgebung und untersucht, inwieweit dieses nutzbar ist. Martin Wiese nennt beispielsweise die Möglichkeit eines Wärmetauschers in der Oder. Das größte Potenzial sieht er jedoch in der Nutzung der Abwärme einer Biogasanlage in der unmittelbaren Umgebung.

Aktuell stammt der größte Teil der Energie in Letschin noch aus fossilen Energieträgern. Martin Wiese sieht darin jedoch keine Zukunft. Er spricht von einer Zeit, in der fossile Brennstoffe nur noch eine untergeordnete Rolle spielen werden und kaum noch Gas importiert wird. „Strom haben wir zu viel, von allem anderen zu wenig.“

Den höchsten Preis werden seiner Ansicht nach diejenigen zahlen, die nicht auf den neuen Zug aufspringen. Martin Wiese erzählte uns auch davon, dass seine Arbeit immer schwieriger werde und das Vertrauen vieler Menschen in die Politik abnehme. Es sei herausfordernd, über Themen zu sprechen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse abgelehnt und der Klimawandel negiert würden. Das übergeordnete Ziel bleibe jedoch bestehen: Er möchte auf kommunaler Ebene „alle Menschen mitnehmen und die Energiewende für alle erträglich gestalten“.

Als 26-Jähriger kam Andree Jochmann 1990 ins Oderbruch und erwarb in Wilhelmsaue ein Grundstück mit einem Wohnhaus oder besser gesagt mit einer Ruine. Um das Fachwerkhaus wieder bewohnbar zu machen, kaufte er kurzerhand noch eine Scheune in der Nachbarschaft, die er als Materialspender nutzte: Deren 200 Jahre alte Balken wurden als Ständerwerk seines Wohnhauses wiedergeboren. „Ein Fachwerkhaus ist auch nur ein großer Schrank“, dachte sich der gelernte Tischler und mauerte das Fachwerk selbst aus. Seinen „großen Schrank“ beheizte er in den ersten zehn Jahren mit einem Bullerjan. Der dabei anfallende Staub wurde ihm aber irgendwann zu viel, und er begann, nach einer Alternative zu suchen. Da kam ihm das Förderprogramm „Handwerker aufs Land“ gerade recht, mit dessen Hilfe er den Einbau einer Gasheizung finanzieren konnte. Doch die steigenden Gaspreise forcierten bald die erneute Suche nach einer Alternative, die nun in einem Holzvergaser gefunden schien. Obwohl er diesen mit drei Schubkarren Holz täglich fütterte, war der zwei Kubikmeter große Pufferspeicher nach zwei Stunden wieder kalt. Perfekt war auch das nicht. Ein wasserführender Kaminofen sollte als nächstes von der Küche aus das ganze Haus heizen. Aber auch das erwies sich nicht als der Weisheit letzter Schluss. „Ich hab wohl immer nicht ganz bis zu Ende gedacht“, so Andrees selbstkritische Einschätzung, denn nur in Verbindung mit einer guten Regelungstechnik wird ein Heizsystem perfekt.

Momentan setzt er auf Split-Klimaanlagen, mit denen man zugleich heizen und in Sommern wie diesem kühlen kann. Zudem gibt es inzwischen mit Kältemittel gefüllte Anlagen zum Selbsteinbau – auch ohne Kältetechniker. Einer der Bauwagen auf seinem Grundstück dient als Testobjekt.

Aber wer weiß, vielleicht wird der Holzvergaser doch noch mal reaktiviert. Denn auf seinem Grundstück lagert noch Holz für mindestens zwei Heizperioden. Und dann gibt es ja noch das ca. drei Hektar große Wäldchen, das er vor mehr als 20 Jahren selbst auf einer angrenzenden ehemaligen Ackerfläche angepflanzt hat. Er hat in der ausgeräumten Agrarsteppe des Oderbruchs Bäume wirklich sehr vermisst. Die Eschen, Ulmen und Linden gäben nach und nach auch ausreichend Brennholz her … Aber Andree hadert nicht nur mit der Landschaftsqualität: Ihn begeistert der besondere Himmel über dem Bruch ebenso wie die Sonnenuntergänge, die man kaum anderswo so tief erleben kann.

Das Tor ist bereits für uns geöffnet. Die Sonne fällt in den reichlich dekorierten Innenhof. Herr Gellert wirkt sichtlich entspannt, empfängt uns mit einem Lächeln und lädt uns zum Gespräch am vorbereiteten Tisch ein.

Das Fachwerkhaus wurde zu DDR-Zeiten 1985 von seiner Familie gekauft. Bis vor 30 Jahren wurde mit Kohle und Holz geheizt, dann mit Öl. Das alte, historische Haus sei 250 Jahre alt und wurde mehrmals verbessert. Sei es die Wärmedämmung an den Wänden, die Dachisolierung oder neue Fenster. Innerhalb der letzten fünf bis zehn Jahre wurde dadurch der Heizölverbrauch um etwa 25 Prozentgesenkt. „Die Ölheizung wurde vor 30 Jahren eingebaut“, steigt Herr Gellert ein. „Ich bin alsLandwirt und Betriebsleiter immer zuerst an die Wirtschaftlichkeit gebunden“. Er sucht sich den günstigsten Zeitpunkt für den Kauf des Heizöls aus. Das Heizen mit Öl funktioniere einwandfrei, denn die Heizung läuft ohne, dass die Familie etwas dafür was tue. „Die Sensoren heizen, wenn es kalt ist und heizen nicht, wenn es warm ist. Das läuft alles automatisch“, so Herr Gellert. Ob sich die Ölheizung noch lange hält oder durch das Alter in der nächsten Zeit kaputt gehen kann, könne Herr Gellert nicht sagen. „Diese Dinge können alle repariert werden. Mit dem besten Mechaniker hält die älteste Heizung noch mehrere Jahre“, berichtet er gelassen. Er sei kein„Schnellschießer“, es sei denn, etwas überzeuge ihn komplett. Was den Zeitpunkt einer Heizungserneuerung betrifft, sei Herr Gellert sehr flexibel.„Warum soll ich ´ne Maschine austauschen gegen eine, von der ich nicht weiß, dass sie genauso gut funktioniert“.

Sicher werde er irgendwann ein neues Heizsystem einbauen. Darüber berät er sich insbesondere mit dem jungen Teil der Familie. Die Nachbarn ließen Tiefenbohrungen in 90 Metern für eine Erdwärmepume machen. Das sei ein riesiger Aufwand. Bei Herrn Gellert müssten vier solcher Bohrungen unternommen werden, was enorm teuer sein und Zeit sowie Nerven kosten würde. Die Wärmepumpe habe er auch bereits in Betracht gezogen. Trotz der Fortschritte habe diese ihn aber bisher nicht überzeugt, beendet Herr Gellert seinen Satz.

Herr Gellert setzt viel auf Nachhaltigkeit. Er besitze seit über fünf Jahren ein E-Auto, könne jedoch in der Landwirtschaft nicht auf den Dieselmotor verzichten. Der konventionelle Ackerbaubetrieb umfasst 365 Hektar.

Der engagierte Landwirt studierte Pflanzenproduktion an der Humboldt-Universität Berlin und baute sich einen ökonomisch durchdachten Betrieb auf. Egal ob es ums Heizen oder ums Arbeiten gehe – ein bisschen Realismus müsse sein, um den knallharten wirtschaftlichen Tatsachen nicht blindlings in die Hände zu laufen. „Lassen sie die Ökonomie nicht vollkommen außer Acht. Man sollte so viel Einkommen haben, dass man nicht ständig darüber nachdenken muss. Und den Optimismus nicht vergessen“, gab uns Herr Gellert auf unseren weiteren Weg mit.

Donnerstag morgens um neun Uhr werden wir von Herr Peter Neumeister am Parkplatz seines Wohnhauses begrüßt. Er unterrichtet die „Grundlagen des Ingenieurswesen“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde, welche für die Studierenden im Holzingenieurswesen wichtig sind.

Nachdem wir uns gemeinsam entschieden haben, zunächst die Theorie hinter dem Heizungssystem der Neumeisters zu besprechen, um sie dann mit besserem Verständnis besichtigen zu können, setzen wir uns auf zwei Holzbänke im Schatten des zukünftigen Pferdestalls seiner Frau, die ebenfalls Ingenieurin ist. Mit Getränken versorgt, beginnt die gut vorbereitete Einführung. Man merkt schnell, Peter Neumeister hat sein Hobby zum Beruf gemacht und das ist sehr von Vorteil für ihr Heizsystem im Haus.

Zunächst erklärt er uns, dass eine gute Dämmung für eine effiziente kostengünstige Wärmepumpen-Heizung nötig ist. Da die Neumeisters erst 2021 in das vermutlich im Jahre 1945 erbaute Haus in Altreetz gezogen sind, konnten sie eine fortschrittliche Sanierung vornehmen, sodass das Haus an das geplante Heizsystem angepasst wurde. Das Haus hatte, typisch für das Baujahr in dieser Gegend, eine doppelte Ziegelwand mit acht Zentimeter Zwischenräumen, der Anbau hatte ein Betondach und das Dach war ebenfalls nicht isoliert.

Die Zwischenräume haben das Haus zwar trocken gehalten, jedoch schnell auskühlen lassen, dies hätte die Wärmepumpe ineffizient gemacht. „Man muss den Energieverbrauch reduzieren, damit sich das rechnet“, sagt er. Also entschieden sie sich für Styroporschütt-Kugeln als Dämmung für die Zwischenräume der Wände, sowie eine acht Zentimeter dicke Außendämmung und eine Dämmung der Dächer.

Während Peter Neumeister uns alles fachkundig erklärt, werden wir von einem Schwarm Stare abgelenkt, er vermutet, dass diese auf dem Weg zu den Kirschen sein könnten.

„Die Differenz der Wärme ist das Entscheidende bei einer Wärmepumpe“, kommt er auf das Thema zurück. Ihr Wärmesystem besteht aus einer kleinen Wärmepumpe mit einer Leistung von acht Kilowattstunden, die unauffällig unter einem Fenster in Nähe der Hauswand platziert ist, einem Holzvergaser –als Kamin in der Wohnküche stehend – und einer auf den Hauswänden und dem Schuppendach platzierten Photovoltaik-Anlage. Dazu gehören im Keller die entsprechenden Lithiumbatterien, Wärmeausgleichsbehälter, Wasserwärmespeicher sowie Schaltsysteme, die für die Warmwasserversorgung mit Frischwasser und den Betrieb der Fußbodenheizung zuständig sind.

Er führt uns auf das benachbarte Feld, von dem aus wir die PV-Anlagen besser betrachten können. Zwei PV-Anlagen mit je acht Duo-Modulen sind an Haus- und Schuppenwänden montiert, außerdem, im 30 Grad Winkel, eine 10 Duo-Modul-PV-Anlage an das extra angepasste Schuppendach. „Optimal wären 35 Grad Dachschräge, damit das Regenwasser gut abfließen kann und die Schrauben nicht korrodieren. Außerdem trifft so die Sonneneinstrahlung am Mittag optimal auf die Solarzellen.“ Aus diesem Grund sind für die späteren und früheren Sonnenstunden die anderen beiden PV-Anlagen an die Wände montiert. Zu beachten sei, dass keine Module beschattet werden, da dies ihre Funktion stark einschränken würde.

Herr Neumeister erwähnt, dass das „böse Heizungsgesetz“ im Übrigen zuvor von der CDU verabschiedet wurde. Habeck habe das Gesetz vereinfacht und er ist froh, dass er dank dieser Gesetzesänderungen als Privatunternehmer 30 Kilowattstunden statt zehn steuerfrei einspeisen und nutzen kann, und das ohne großen bürokratischen Aufwand. Zudem gibt es für die Wärmepumpen bis zu 70 Prozent staatliche Bezuschussung, um die Umstellung für viele Menschen zu ermöglichen.

Nachdem wir die PV-Anlagen und die Wärmepumpe gesehen haben, gehen wir in den Keller, um das „Herz der Anlage“ zu sehen. Diese wurde mit gut durchdachter Monteursarbeit in drei Ebenen verbaut.

Drei Kessel für den Wärmeausgleich mit Innenschaltsystemen, chinesische Lithiumbatterien und verschiedene technische Geräte. Dazu hat Peter Neumeister ein Schaltsystem gebaut, welches er kompatibel mit den verschiedenen Systemen des wasserführenden Holzvergaserkamins und der Wärmepumpe digital vom Handy aus Steuern kann. Mit einer App zeigt er uns diverse Parameter, bei denen er die Temperatur und Luftfeuchtigkeit jedes Raumes einsehen und steuern kann.

Da dieses System durch die kurze Sonneneinstrahlung im Winter trotz der guten Dämmung nicht ausreicht, ergänzt er sein Heizsystem mit dem wasserführenden Holzvergaser-Kamin. Dieser befindet sich in der Wohnküche des Hauses und birgt ebenfalls eine interessante Technik. Besonders nachhaltig an dieser Heizform ist die saubere Verbrennung, was auch die Schornsteinfegerin bestätigen konnte, als sie den sauberen Schornstein begutachtete. Fünf bis sechs Prozent des Energieverbrauchs lassen sich mit dem Holzvergaser einsparen, was mehr ist, als es klingt.

Insgesamt verbrauchen die Neumeisters durch den Austausch der 1994 verbauten Ölheizung mit der innovativen Heizsystemkombination aus Wärmepumpe, PV-Anlage, Fußbodenheizung und wasserführendem Holzvergaser erheblich weniger elektrische Energie. Der Jahresverbrauch 2024/25 von rund 2500 Kilowattstunden war im  Jahr 2025/26 auf ca. 380 Kilowattstunden gesunken, dadurch konnten sie beinahe 700 Euro sparen.

Die Motivation für dieses Heizmodell und diese Lebensform waren vor allem ein geringerer CO2-Abdruck und ein interessantes Lernobjekt für sein Lehrfach. Zusätzlich betreibt seine Frau einen ca. einen Hektar großen Garten, der am Haus anschließt und ein buntes Sortiment an Obstbäumen, Gemüse und Beeren beherbergt. Nun wissen wir auch, wo die Stare ihre Kirschen herbekommen.

Wir verabschieden uns ein Stückchen gebildeter, mit mehr Verständnis für das innovative Heizsystem in der Kombination mit der „bösen“ Wärmepumpe und deren vielfältigen Vorteile auf ökologischer und ökonomischer Ebene. Dieses System könnte eine saubere und grünere Lösung für unsere Zukunft sein, die auf lange Sicht nicht klimaschädlich ist.

Vor unserem Besuch beim Ofensetzer Grund in Kienitz machen wir eine kleine Pause am Hafen. Die prächtig blühende Wiese am Deich lädt zur Ruhe ein. Ich bestelle mir eine Soljanka und ein Radler und komme, als ich den großen Kachelofen im Schankraum sehe, mit Frau und Herr Rochlitz, den Wirten der Hafengaststätte, ins Plaudern übers Heizen.

Gas, Kohle und Holz wird verfeuert, um das Wirtshaus samt Saal zu heizen. Kohlen zu einem guten Preis zu bekommen, sei gar nicht mehr so einfach, erzählt Herr Rochlitz. Er kaufe sie in Kostrzyn, dort gebe es Brikett-Kohle aus der Lausitz – und noch dazu sei sie dort um einiges billiger zu haben als hier in Deutschland. Sein polnischer Kohlehändler habe sich extra zwei neue LKW angeschafft, um sie in der Lausitz abzuholen. Das sei doch verrückt, aber so sei es eben.

Der Wirt hat allerdings noch eine andere Kohle-Quelle erschlossen: Restkohle aus den Kellern von Häusern, die verkauft und geräumt werden müssen. Mit seinem Multicar holt er sich die Kohle auf den Hof. Die alten Besitzer würde sie oft einfach loswerden wollen, und die neuen könnten mit ihr nichts mehr anfangen, weil sie nicht mehr mit Kohle heizen mögen. Die Zeit dafür nimmt er sich gern. Auf meine Frage, woher er wisse, wer Kohlen abzugeben habe, antwortet Herr Rochlitz, dass viele ihn mittlerweile in der Gaststätte darauf ansprechen.

Auch Holz kommt in seine Öfen. Kettensäge und Holzspalter gehören für den Wirt zur Grundausstattung seines Grundstücks. „Männer brauchen ein Spielzeug“, sagt Frau Rochlitz lachend, „Feuerholzmachen ist seins!“ Stolz erzählt der Wirt, wie er eine ganze Schute voller Treibholz, das Mitarbeiter vom Wasserstraßenschifffahrtsamt in der Oder aufgesammelt hatten und dass im Hafen Kienitz lag, zu sich geholt hat. Nur wenige Stunden hatte ihm der Kollege vom WSA gegeben, um das Holz – Bretter, Äste, ganze Bäume – vom Lastkahn zu holen. Ein paar Anrufe und ruckzuck seien sechs helfende Männer dagewesen, er habe gar keinen Stamm selber tragen müssen, sagt er, er sei nur immer zwischen der Schute und seinem Hof mit seinem Multicar hin- und hergefahren. Das Holz dann aber klein zu machen, habe ihn schon einiges an Zeit gekostet.

Als vor einigen Jahren einige Pappeln gefällt wurden, weil sie den Schutzmaßnahmen gegen die Schweinepest im Wege waren, habe er sich die ganzen Stämme auch auf den Hof geholt und klein gemacht mit Sägen und Spalter. „Das war ein gutes Stück Arbeit“, sagt der Wirt und fügt an: „Wenn ich die Zeit sehe, die es braucht, Holz zu machen, dann rechnet es sich nicht. Aber was solls.“ „Es ist eben sein Spielzeug“, betont seine Frau und scheint sich über dieses Spiel aber sehr zu freuen.

Ich kaufe mir noch ein Softeis, wünsche frohes Schaffen, schaue zum Rest der Gruppe und auf geht es zum Ofenbauer Grund, der übrigens vor zwei Jahren den Feuerraum im Kachelofen im Schankraum erneuert hat – und der Blick auf das Feuer, so die Wirte, sei für viele Gäste im Winter eine Besonderheit. Sie fühlten sich wohl in der Wärme, die er abstrahlt.

Schon bei der Anfahrt sehen wir ein wunderliches Gebäude, welches sich aus der flachen Landschaft emporreckt. Ein Dach dessen Form der eines Hexenhutes ähnelt, setzt einem wundschönen runden Holzbau die Krone auf. Dieses ungewöhnliche Gebäude befindet sich an einem ungewöhnlichen Ort, wir sind zu Besuch im Theater am Rand in Zollbrücke. Mit Clemens Lippok wollen wir über das Heizen sprechen. Er berichtet uns von den Anfängen des Theaters, als Räume im alten Bauernhaus für Darbietungen herhalten mussten, bei denen die Gäste auch Plätze auf der Sitzbank eines Kachelofens fanden. Da sich die Vorstellungen immer größer werdender Beliebtheit erfreuten, reichte der Platz im Bauernhaus bald nicht mehr aus. Die Idee, ein Theater zu bauen, wurde geboren und über den Verlauf von 15 Jahren in mehreren Bauabschnitten umgesetzt.

Clemens führte uns ins Innere des Gebäudes und erläuterte uns staunenden Studenten, wie der Saal warm bekommen wird. In den kalten Monaten läuft eine Stunde vor der Probe oder Vorstellung eine Dieselheizung. Die Grundwärme wird dann von einem holzbefeuerten Bullerjan gehalten und die Sitzbänke neuerdings mit Strom aus der theatereigenen Photovoltaik-Anlage beheizt. Das besagte Dach ist wohl die außergewöhnlichste Heizmethode. Es handelt sich nämlich um einen sogenannten Solarturm. Durch zur Sonne ausgerichtete Fenster fällt das Licht auf schwarzes, gewelltes Material, dort erhitzt sich die Luft und wird durch ein Gebläse in den Theatersaal geblasen. Der Turm steht zwar schon seit zehn Jahren, war aufgrund technischer Schwierigkeiten jedoch noch nicht wirklich in Benutzung. Das soll sich dieses Jahr ändern und wird freudig erwartet.

Eine üppige Förderung zur Coronazeit ermöglichte eine umfassende Dämmung des Gebäudes. Die Dämmung in Kombination mit den verschiedenen Heizsystemen stillt das menschliche Grundbedürfnis nach Wärme und eröffnet einen Raum für die Kunst.

Das Ende unseres Besuches gestaltete sich auf sehr praktische Art. Gemeinsam stapelten wir einen Haufen Brennholz aus Buchen-, Kiefern- und Robinienholz zu einer ordentlichen Wand. Die Arbeit war befriedigend und gab uns ein Gefühl der Verbundenheit.

Thomas Grund ist Ofenbauer in vierter Generation. Der Familienbetrieb in Kienitz wurde bereits im späten 19. Jahrhundert von seinem Urgroßvater gegründet und wird seitdem von einer Generation an die nächste weitergegeben. „Ich bin geboren und da stand das schon fest, dass ich Ofenbauer werde“, erzählte uns Thomas. Der Betrieb ist eine wirtschaftliche Konstante im Oderbruch. Die Bewohner des Oderbruchs kennen und vertrauen der Familie Grund. Uns wurde berichtet, dass manche Kunden noch Monate später anrufen, um ihre Begeisterung für einen neuen Ofen kundzutun.

So ein alter Familienbetrieb hat Vorteile. Er müsse keine Werbung machen und trotzdem wären seine Auftragsbücher immer voll. Zwar ginge es auf und ab, mal würden Ofen, dann wieder mehr Schornsteine oder Kamine gebaut, aber die Leute kommen von alleine, und es werden immer mehr, die sich wieder einen traditionellen Kachelofen wünschen. Thomas Grund schildert uns, dass sich der Trend zurück zum Holz- und Kohleofen klar abzeichnet und begründet dies mit dem Wunsch vieler Kunden nach Autonomie und Krisensicherheit. Wir bekamen sogar eine persönliche Erfahrung zum Thema Krisensicherheit zu hören, als er uns erzählte, wie seine Tochter während eines Stromausfalls einen seiner Öfen nutzte, um die Milch für sein Enkelkind zu erwärmen. Darauf war und ist er stolz.  Außerdem betonte er, dass so ein Ofen eine viel angenehmere und gleichmäßigere Wärme ausstrahlt als zum Beispiel eine herkömmliche Gasheizung.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs lernten wir viel über Warenketten und die Funktionsweisen verschiedener Öfen. Es gibt Warmluft- und Grundöfen. Die einen erwärmen die Luft, die durch die Züge im Ofen zirkuliert und in den Raum abgegeben wird, die anderen sind mit viel Schamott-Steinen im Inneren gebaut, die die Wärme aufnehmen und langsam an die Umgebung abgeben. Auch die Feuerräume haben sich verändert, sie sind viel dichter als früher und verbrennen Holz und Kohle viel effizienter, was zu weniger Abgasen beiträgt. Auch der Schornstein ist wichtig für die gute Funktionsweise eines Ofens. „Ein Ofen braucht Luft, wie der Mensch zum Atmen auch.“ Daher halte er nicht viel von Filtertechnik im Schornstein. Aber das alles bespreche er mit den Kunden und dem Schornsteinfeger am liebsten vor Ort.

Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, wie einfach es eigentlich sei, Öfen zu bauen. Thomas sagte uns: „Letzten Endes ist das Grundprinzip immer das gleiche. Das war vor 1000 Jahren so, und wird in 1000 Jahren noch so sein. Man kann Physik nicht überlisten, auch wenn manche es versuchen.“ Er erzählte uns auch von den Schwierigkeiten des Gewerbes: Für diesen Beruf muss man teilweise seine körperliche Gesundheit opfern, im Staub arbeiten, viele Steine und Kachel schleppen. Die Arbeit fordere ihn von Jahr zu Jahr mehr. Trotzdem bereue er nicht, sich für diesen Karriereweg entschieden zu haben. Zum Ende bekamen wir freundlicherweise sogar die Möglichkeit, sein eigenes Haus zu besichtigen. Hier hat er selbst vier wunderschöne Kachelöfen verbaut. Nicht nur zum Heizen allein, im Wohnzimmer lädt eine kunstvolle Ofenbank zum Verweilen ein, auf der auch wir uns gern kurz setzten.

Wir haben das Treffen in absolut positiver Erinnerung. Während des Gesprächs merkte man immer wieder, was für ein beeindruckendes und umfangreiches Wissen Ofenbaumeister Thomas Grund besitzt. Ein Mensch, der in seinem Handwerk aufgeht und weiß, wovon er spricht.

Gut Reichenow: Gemeinsam Heizen mit Hackschnitzeln

Thomas empfängt uns freundlich, als wir an seinem kleinen Häuschen vorbeilaufen, und bringt uns zu Jan. Jan ist Maschinenbauer durch und durch. Das ist durch sein Auftreten ersichtlich und bestätigt sich, als er uns seine Werkstatt zeigt. Die Studiengänge Mathe und Physik waren ihm etwas zu theoretisch und Jan ist zweifelsfrei glücklich, viel aus dem Studium Maschinenbau mitgenommen zu haben.

Das komplette Gebäude gehörte früher zum nahe gelegenen Schloss und war zur DDR-Zeit eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). Die Räume im Erdgeschoss waren überwiegend Tierställe, auf der ersten Etage des Gebäudekomplexes lagerte das Korn. Heute sind es Räume für Menschen zur Förderung der Kultur. Hier gibt es verschiedene Ateliers.

Als Jan uns zur Hackschnitzel-Anlage führt, hören wir es rechts im Gras zirpen. „Das war hier alles mal komplett Beton, wir haben alles aufgerissen und lebendiger gemacht“, erzählt Jan.

Wir stehen vor dem Tor zu dem Raum, in dem die Hackschnitzel zugeführt werden. Jan erzählt uns, dass die Heizung im Jahr 2000 in Betrieb gegangen sei, dass sie das komplette Haus mit einer Größe von 4.200 Quadratmeter heize und keinerlei Gewinnabzielungsabsicht hinter der Vermietung der Wohneinheiten läge. Der Heizofen ist riesig und begeistert nicht nur uns. Jan erzählt leidenschaftlich vom Können des Ofens: „Das hier ist der Feuerraum. Wenn das Ding richtig losballert, gibt es im Innern bis zu 900 Grad. Wir müssen ein- bis dreimal am Tag schauen, dass sich am Boden oder sonst wo keine Fremdkörper verstecken“, fügt er hinzu und zeigt uns die Sammlung des Metallschrotts, der im Ofen erst geschmolzen und sich anschließend irgendwo verkeilt hatte.

„Bei so einer Heizanlage muss eh immer jemand da sein und gucken. Bis vor vier Wochen war das auch der älteste Prototyp von der Firma Fröhling – 26 Jahre“, schwärmt Jan. „So alt ist sie schon. Hier drin wird der Restsauerstoffgehalt gemessen. Der Schornsteinfeger kommt auch regelmäßig, um zu Messen“. Leider sei die Heizung jetzt kaputt und Jan muss sich um eine neue Heizung kümmern. Das müsse bis Oktober 2026 passieren, denn dann beginnt die achtmonatige Heizperiode. Sie müssen einen neuen Brenner kaufen, denn die Anwohnenden haben sich über alle überlegbaren Alternativen Gedanken gemacht und kamen zu dem Entschluss, dass sich die Genehmigungen viel zu lange ziehen würden. Dass die Heizung komplett kaputt ist, habe Jan schnell festgestellt. Davor ginge dies nicht, dann ging das nicht und Jan reparierte jede Kleinigkeit. Dass ihm das gefallen hat, untermalt er mit einem weiten Grinsen: „Letzten Ende steh ich einfach drauf, wenn ich weiß, wie etwas funktioniert“.Doch Jans Mundwinkel gehen schnell wieder runter: „Es tut im Herzen weh, dass ich das jetzt nicht mehr reparieren kann und das Ding komplett weg muss“.

In diesem Raum steht noch ein 5000 Liter Puffertank, der in die Heizkreise geht. Durch die Rohre wird Wasser in den Ost- und Westflügel durch die Fußböden geschickt. Einmal im Monat müsse gewartet werden. Das mache Jan selber, sagt er. Die Jahreswartung könne er abgeben. Im Großen und Ganzen kümmert Jan sich selbst um die Heizung – das ganze Jahr über.

Das große Backsteinhaus steht gut beschattet am Rand einer kleinen Straße in Altreetz. Es ist das ehemalige Bahnhofswärterhaus des kleinen Ortes, die Einwohner*innen nennen es immer noch das „Beamtenhaus“. 2013 sind Tobias und Anne in das stark sanierungsbedürftige Haus eingezogen.

Schnell kommen wir zum Thema Heizen. „Das meist mit Holz“, erfahren wir dann. Er zeigt uns sein gestapeltes Scheitholz: Ordentlich sind die einen halben Meter langen Scheite mannshoch in drei Reihen von je acht Meter Länge aufgeschichtet. Ein Teil davon kommt vom eigenen Grundstück am ehemaligen Bahndamm, aber das meiste liefert der Landesforstbetrieb oder der Stadtforst Bad Freienwalde. Eine LKW-Ladung mit 40 bis50 Raummeter reicht dann für knapp zwei Jahre. Aus dem Buch „Der Mann und das Holz“ – zu dem Titel hat er nur gelacht – hat er gelernt: „Wenn das Holz zu Ostern gut gestapelt ist, kann man es im Winter verheizen“. Vor allem wird Buche geliefert und früher auch bisschen Eiche. Der Schornsteinfeger kommt viermal jährlich und „freut sich über Laub- und Hartholz“.

Aber bald wird uns klar, dass Tobias und Anne nicht einfach nur Holz in ihre Kachelöfen schieben, sondern eine Kombination aus mehreren Energiequellen nutzen. Zuerst ist da der Scheitholzofen in der Werkstatt,  die er auch scherzhaft das „Kraftwerk“ nennt, der eine halbe Schubkarre Holz fasst. Mit der so erzeugten Wärme wird dann Wasser für die Warmwasserspeicher erhitzt. Die zwei riesig wirkenden Zylinder mit je 800 Liter Fassungsvermögen stehen im Hauswirtschaftsraum des Hauses. „Man braucht viel Platz“, meint Tobias. „Man muss gut überlegen, wo kann das Holz für zwei Jahre stehen, vor Regen beschützt und möglichst der Sonne und dem Wind zum Trocknen ausgesetzt“.

Dazu kommt Solarthermie vom Dach, die in Form von Röhren Sonnenenergie aufnimmt. Förderfähig war die Anlage nur unter der Bedingung einer Mindestgröße und der Heizungsunterstützung. Inzwischen erweist sie sich eher als überflüssig. Jeden Sommer produziert sie einen Überschuss an Energie, der nirgendwo eingespeist werden kann. „Wohin mit der ganzen Energie? Solarthermie würde ich nicht nochmal einbauen. Photovoltaik kann man wenigstens einspeisen“.

Sie hätten das Haus auch an die Gasleitung anschließen können, die „liegt hier an der Straße“. Aber Tobias „wollte nicht einfach nur den Hahn aufdrehen“. Er mag Holz und es zu stapeln. „Das wäre auch schon krass, wenn man nicht mehr mit Holz heizen dürfte“, meint er in Bezug auf die politischen Debatten. Zwar kenne er Holzfeuer nicht aus dem Elternhaus, aber heute gebe ihm das gestapelte Holz vor seinem Haus „ein gutes Gefühl und auch Sicherheit“. „Man hat es selbst in der Hand“, sagt Tobias,  „wann man Holz kauft und zu welchem Preis“. Die Überlegungen rund um Heiz- und Energiesysteme können auch wie ein „bisschen Spielerei“ sein. Etliche Kombinationen seien möglich.

Gerade zum Anfang der Heizsaison freut sich Tobias, Holz zu machen und wieder diese schöne Wärme zu genießen. Aber spätestens Januar/Februar erkennt er immer wieder, wie mühselig es auch ist. Für die ganze Errichtung und Wartung des Heizsystems habe er Handwerker herangeholt, die aber auch durchaus schwer zu finden gewesen seien, meint er. „Jetzt ist es der Schwiegersohn der Nachbarin“.

Rundum ist Tobias mit seinem Heizsystem zufrieden und folgt seiner Vision, es möglichst einfach und schön zu halten. Die neueste Energiequelle wird gerade im wunderschön blühenden Garten errichtet. Ein großes Gewächshaus aus einer gotischen Kirchenfenstern nachempfundenen Holzkonstruktion. Die dort eingefangenen Sonnenergie dient nicht nur dem Gedeihen der wenigen Gemüsepflanzen, sondern vor allem den wärmeempfindlichen Blumen für Annes „Kraut und Blüte. Trockenblumen aus dem Oderbruch“.

Wir fahren mit dem Auto auf das weitläufige, mit Kopfstein gepflasterte Gut Friedersdorf. Im zentralen, einstöckigen Verwaltungsgebäude treffen wir Bernhardt von der Marwitz. Der junge Landwirt hat das Gut vor einigen Jahren von seinen Eltern übernommen, wirkt tatkräftig und versorgt uns im folgenden Gespräch mit vielen Informationen: über das Heizen im Speziellen, aber auch über das Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz.

Bis vor Kurzem wurde das Gut mit allen Anlagen und den zusätzlichen Mietgebäuden noch über eine Biogasanlage mit Wärme versorgt. Diese steht eine kurze Autofahrt entfernt am Dorfrand und produzierte Energie aus Maissilage. Über ein klobiges, komplex wirkendes Blockheizkraftwerk wurde das Gas in Verbindung mit Rapsmethylester zu Wärme umgewandelt. Diese lief dann über ein unterirdisches, sternförmig verzweigtes Nahwärmenetz zu den einzelnen Verbrauchern. Durch die langen Wege war das System allerdings extrem ineffizient, erklärt Bernhardt. Hinzu kommt, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Auflagen nachgeschärft hat und eine Modernisierung und Aufrüstung der Biogasanlage nötig geworden wäre, um sie weiter zu erfüllen. Wirtschaftlich wäre das schlicht nicht tragbar gewesen. Bernhardt entschied sich daher, gleich in ein komplett neues Heizsystem zu investieren.

Seit Anfang 2026 ist die Biogasanlage daher abgestellt. Zur Überbrückung dient eine Gastherme, bei der „das Geld nur so verheizt wird“, so Bernhardt. Für den kommenden Winter muss also eine andere Lösung her. Mit einem Pilotprojekt möchte er einen neuen Weg für Landwirtinnen und Landwirte aufzeigen und Effizienz mit Nachhaltigkeit verbinden. Eine Hackschnitzelanlage soll es werden. Sie soll vollautomatisch und nur bei Bedarf laufen, ganz anders als die alte Biogasanlage. Die Entscheidung für den Baustart soll in den nächsten Tagen fallen.

Die Aussichten auf eine Förderung klingen vielversprechend. Zugleich wird deutlich, dass Bernhardt diese Vorreiterrolle mit viel Eigeninitiative ausfüllt. „Ich bin Landwirt, kein Energiewirt. Wenn ich mich mal wieder an den Schreibtisch setzen soll, um mich mit dem Heizen zu beschäftigen, macht mir das keine gute Laune.“ Er wünscht sich ein Heizsystem, mit dem für die nächsten Jahrzehnte einfach Ruhe ist. Planungssicherheit ist bei wechselnden politischen Rahmenbedingungen nicht leicht zu erreichen, und immer wieder wird „eine neue Sau durchs Dorf getrieben“, beschreibt Bernhardt die Lage. Genau deshalb verfolgt er ein klares Ziel: sich mit einer robusten, eigenständigen Lösung weitestgehend unabhängig von langfristigen Subventionen zu machen.

Nach ein paar Anläufen biegen wir in die richtige Auffahrt ein. Parken am „Parkplatz nur für Kunden“, dieser ist gesäumt von großen runden Baumstapeln am Wegesrand. Das ist das Feuerholz, wie sich später herausstellt.

Als wir das verwunschene Häuschen in Alleinlage erreichen, empfängt uns eine kleine aufgeweckte Hundedame namens Luki und der auf der Treppe sitzende Veit Templin. Wenig später begrüßt uns auch seine Frau Heike und sie laden uns auf die Balkonterrasse, mit wunderschönem weitem Blick auf Felder, Bäume und Gärten. Sie stellen uns köstliche Kirschen auf den Tisch, und Veit beginnt mit dem Satz „Ich war schon immer ein Heizer“, von seinem vielseitigen Leben zu erzählen.

Schnell stellt sich heraus: Veit hat einiges gesehen und erlebt, vor allem aber gelernt. Eigentlich wollte er immer Musiker werden, war jedoch genötigt „was Richtiges zu machen“ und lernte zunächst das Handwerk des Malers. Schnell stellte er fest, „dass er einfach raus muss in die Natur“. Aus seiner Liebe zur Natur mit ihren wunderbaren Werkstoffen, getrieben von Wissensdurst und Schaffensdrang, lernte er viel altes Wissen, verschiedene Handwerke, Lebens- und auch Heizkonzepte.

Nahezu alles, was ihn fasziniert, hat er sich selbst mithilfe von Büchern beigebracht. Aber auch seine Ausbildungen und das frühe Mitanpacken im Selbstversorgerhof der Großmutter haben ihm bei seinen Projekten geholfen.

Schnell merken wir, Veit hat viele spannende Dinge zu erzählen und sticht mit seinem mutigen und sehr kreativen Lebensstil hervor. Denn die Familie lebt dort fast als komplette Selbstversorger, ohne öffentlichen Strom oder fließend Wasser. Und natürlich fast alles selbstgemacht, so wie die Öfen, weshalb wir ihn an diesem Tage besuchten.

Das reicht von der Verarbeitung der eigenen Tiere, über Sauerteigbrot, dem Restaurieren und Pflegen alter Gebäude bis hin zum Gartenbau und eben zu den selbstgebauten Öfen.

Veit erzählt uns, dass er sich sofort in die vielfältig einsetzbaren Naturstoffe Holz und Lehm verliebte und sich dementsprechend ausprobierte. Dabei achtete er auch auf Nachhaltigkeit und versuchte stets, Dinge weiterzuverwenden, indem er zum Beispiel bei Baustellen oder Abrissen alter Häuser gerne mal alte Schamottesteine sowie Altholz sammelte. Diese lagert er in selbstgebauten Schuppen auf dem Grundstück.

Das über Jahre angeeignete Wissen und die Vorlieben für diese Rohstoffe ermöglichten es ihm, verschiedene Formen von Holzöfen zu entwickeln und zu bauen, die er uns nach seinen spannenden Lebensgeschichten mit Begeisterung zeigt.

In der Küche sehen wir zunächst einen schönen großen Teil seines komplexen Grundofen-Systems. Alte wiederverwendete und geschenkte Ziegel, die er zuvor von Salpeter befreite, sind mit Lehm kunstvoll in die Wand der Küche gemauert. In der Mitte verschließt eine alte gusseiserne Tür das Ofenloch mit weißer Asche darin, die Veit nur ein bis zwei Mal im Jahr zu entleeren braucht. Denn die Asche schützt die Glut.

Einen Schritt weiter steht eine alte Küchenhexe, die zusätzlich im Winter die Küche gemütlich warmhält. Wenn es mal schneller gehen soll am Herd, gibt es noch einen mit Propangas aus der Flasche betriebenen Backofen. Um die Komplexität seines selbst kreierten Ofens verstehen zu können, gehen wir nun in den Keller des alten Hauses.

Hier sehen wir zwei weitere Öfen, die er mithilfe von Lehm und Stein zu einem großen Ofen verbunden hat. Den oberen Ofen nennt er liebevoll „den Russen“, da er in Russland üblich war. In diesem hat er bereits viele Sauerteigbrote für die Familie gebacken. In einem weiteren Raum des Kellers können wir die Rückseite dieses vielseitig einsetzbaren Ofens bestaunen. Dort bietet er Platz für eine Räucherkammer, einen Brutkasten für die Sauerteigkultur und er spendet zudem genügend warme Luft für die Fleischtrocknung.  Doch die Funktionen des Backofens sind damit noch längst nicht ausgeschöpft.

Als wir das Wohnzimmer betreten, erkennen wir ein organisch geformten Lehmpart, auf dem es sich gemütlich sitzen lässt, der aber auch eine eingebaute Steinvorrichtung für Bratäpfel bietet. „Dann riecht es im ganzen Haus nach Bratäpfeln“, schwärmt uns Veit vor, wobei mir sofort der schöne Geruch aus Kindheitstagen ins Gedächtnis strömt – ein inneres Lächeln macht sich breit.

Wenn seine Schafe ein glückliches langes Leben gelebt haben, werden sie auch auf dem Gelände geschlachtet und verarbeitet. „Und eine gute Wurst braucht Feuchtigkeit und Wärme“, diese biete die eben erwähnte Lehmofenbank mit ein paar Handgriffen.

Die Möglichkeiten dieses fast lebendig wirkenden Geschöpfes sind aber noch lange nicht erschöpft. Denn „die Frau braucht ein warmes Bad“, in diesem gibt es zwar keine warme Dusche mit schnellfließendem Wasser, dafür eine Handpumpe, die nach zwei Hieven fließendes Wasser schenkt. Dieses wird von mehreren Gefäßen aufgefangen, unter anderem einem Topf, der auf dem letzten Teil des Ofens steht.  Wie eine Theke aussehend wärmt der Lehmofen das Badezimmer und integriert ein kleines Feld, welches den Topf über lange Zeit lauwarm hält. So hat man, trotz des eventuell bereits verglühten Holzes im Keller, dank der lang gespeicherten Strahlungswärme dieses riesigen ausgeklügelten Lehmofens sehr lange lauwarmes Wasser im Badezimmer.

Obwohl dieses raffinierte Heizsystem komplex und ausgeklügelt ist, liebt Veit die Einfachheit im Leben. Und man fühlt sich tatsächlich entschleunigt und verzaubert von diesem Leben aus einer scheinbar alten vergessenen Welt.

Als wir nach doch einer längeren Zeit als geplant die Oase von Veit und Heike verlassen, ist uns allen ganz besonders ein Zitat von ihm Gedächtnis geblieben: „Einfach kann der Mensch nicht. Der Mensch muss alles verkomplizieren.“

Wir fühlen uns wie in einem Film, als wir auf das Anwesen zulaufen. Das Gut Sonnenburg wirkt auf den ersten Blick wie ein Schloss. Stehen wir auf der einladenden Terrasse des Cafés, blicken wir auf einen gemütlichen Garten, der mit Geschick angelegt worden ist. Wir setzen uns in das Café – die Wand ist voll mit Büchern.

Das Gut Sonnenburg wurde im Jahr 1812 gebaut. Hier stecken jahrhundertealte Geschichten drin. Gekauft wurde das Anwesen im Jahr 2015. Hier gehe es um Literatur, Kino, Kunst und vor allem um politische Themen.

Seit dem Kauf des Gutes gab es eine Holzscheit-Heizung im Keller, die durch gemeinschaftliche Holzbeschaffung im eigenen Wald betrieben wurde. Diese Heizung gebe es immer noch, sie wird bei Temperaturen unter null Grad Celsius weiterhin betrieben. Es kamen weitere Mieter:innen hinzu, und dadurch stellte sich heraus, dass die wenigsten Mieter Lust hatten, das Holz zu hacken. Seit dem Jahr 2022 sei die Gemeinschaft im Besitz einer Geothermie: sieben Tiefenbohrungen zu je 100 Meter. „Das Entscheidende war die Wasserschutzbehörde, da sich das Gut Sonnenburg in einem Wasserschutzgebiet befindet“, berichtet Herr Gerber. Er sei dabei gewesen, als die Bohrungen stattfanden. Die sieben Bohrungen mussten öfters angesetzt werden, da sich manchmal Steine auf dem Weg nach „unten“ befanden.

Zur Funktion der Geothermie berichtet Herr Gerber, dass die Soleflüssigkeit durch die 100 Meter tiefen Röhren geleitet wird und somit die Wärme an die Erdoberfläche bringt. Damit werde das ganze Haus mit einer Fläche von ungefähr 1000 Quadratmeter geheizt. Das funktioniere hervorragend und „tadellos“, wie Herr Gerber schwärmt. Von der Geothermie sehe man gar nichts. Das Gerät sehe aus wie ein Kühlschrank. Auch von dem Bohrungslöchern ist nichts mehr zu sehen.

Auf dem Weg in den Keller sehen wir uns im ländlich-gemütlich eingerichteten Gutshaus um. Es gefällt uns sehr, wie herzlich die Gäste hier empfangen werden können. Auf die Frage, ob sich die Anlage rechnet, antwortet Herr Gerber zustimmend und verweist auf die Vollautomatik und gesparte Arbeitskraft. Außerdem gebe es noch zwei Luftwärmepumpen, welche temporär benutzt werden, um anliegende Gebäude zu heizen. Außerdem gibt es noch mehrere Kaminöfen.

Und weil man mit Geothermie keine Pizza herstellen kann, baute sich die Gemeinschaft einen Lehmofen. Der Lehmofen werde als Teil des Dorfprojektes erneuert, damit die 60 Sonnenburger und die Touristen, die das Gut Sonnenburg besuchen, selbstgemachte Pizza genießen können.

In der Stadtrandsiedlung von Bad Freienwalde angekommen, wurden wir vom bellenden Nachbarshund empfangen, ein flauschiger kleiner Nachbar. Das Anwesen von Herrn Kuphal ist idyllisch. Ein Trabbi mit aufgemalten Schmetterlingen steht unter dem Carport und wenn wir in die Luft schauen, sehen wir Fledermaus- und Vogelhäuschen. Hinter dem Gartentor empfängt uns Herr Kuphal mit einem Lächeln. „Ah die Befragungsgruppe. Komm ´se rein hier“. Das Haus ist ländlich, gemütlich eingerichtet. Wir schauen uns direkt den ersten Ofen an. „Der läuft über einen Kamin. Ist ein Dauerbrandofen, ein slowakischer. Hat fünf KW, wurde für Steinkohle gebaut, die sind unkaputtbar“, schwärmt Herr Kupahl. Während Herr Kupahl spricht, schlängelt sich eine schwarz-weiße Katze um unsere Beine. Jetzt erkennen wir auch den Bilderrahmen auf dem Kaminofen. Die Katze sitzt auf Herrn Kupahls Frau. „Die Katze liebt die Frau und die Wärme“, spiegelt er uns. Der damals angeschaffte Dauerbrandofen kostete Herrn Kuphal 8000 Euro. „Alle Nachbarn haben einen Kamin. Wenn es ein richtiger Ofen wäre, müsste drei bis viermal im Jahr der Schornsteinfeger kommen. Schornsteinfeger kostet Geld und die Öfen sind gut zum Ankieken.“

Wir laufen in die Küche und schauen uns den anderen Ofen an. Dieser sei so viel schöner, laut Herrn Kuphals Frau, weil er so gut in die Küche passe. Die Katze kommt natürlich mit und legt sich schnurrend auf den Boden. Während die Katze gestreichelt wird, erzählt Herr Kuphal: „Das ist auch ein Kamin. Mit einer Glasscheibe vorne dran. Auch fünf KW. Ich benutze den Ofen jeden Tag! Wenn meine Kinder hierherkommen, sitzen sie direkt vor dem Kamin. Das ist das Schönste, so ein richtiges Feuer mit Holz. Sie sitzen alle vor dem Kamin.“ Herr Kuphal wirkt sehr ahnungsvoll und gut informiert. Die Zahlen, Durchmesser, Brennwerte und Leistungen hat er fast alle im Kopf, er kennt die Heizungsarten und macht sich viele Gedanken um das Heizen.

Das Heizungsenergiegesetz macht auch hier die Runde. „Habecks Heizungsgesetz – das war sehr traurig, ich musste die Gasheizung rausschmeißen, hatte sie 25 Jahre. Die hätte noch fünf Jahre gemacht, dann wäre sie dreißig gewesen und dann wäre sie eh weggekommen. Jetzt haben wir genau die gleiche. Eine Wärmepumpe krieg ich hier nicht in Keller, dafür müsste ich das Bad rausreißen und den Donnerbalken in den Garten verlegen. Oder ich stelle sie mir in den Vorgarten vors Fenster. Und Photovoltaik? Mein Dach ist nach Norden, dann kannst du die Photovoltaik gleich in Keller bringen.“

Herr Kupahl und seine Frau haben lange darüber nachgedacht. Sie seien sehr offen, was die verschiedenen Heizformen angeht. „Wir reden über Kosten, Wartung und über Wirtschaftlichkeit.“ Anhand seiner uns vorgelegten Stromkostenabrechnung ist erkennbar, dass Herr Kuphal bewusst und sparsam mit Ressourcen umgeht. Zehn Mal weniger Kilowattstunden als der Durchschnittsverbrauch für ein Reihenhaus ließen uns staunen.

Die „Fußbodenheizung“ im Bad sei so angenehm, sagt Herr Kuphal, grinst und ergänzt: „Wenn die Fußbodenheizung an ist, haben wir warme Füße“. Diese ist als Rücklauf für einen Boiler zu verstehen. Ein Rücklaufrohr, das vom Boiler abgeht und bei dem das Abwasser als Heizung dient. Hier wurde Herr Kuphal erfinderisch und macht sich alle Ehre als Lebenskünstler. Dieser Boiler im Keller stehe bereits seit 25 Jahren. Genauso lange wie die Solarplatten auf dem Dach.

Der gelernte Elektromonteur zeigt uns zum Abschluss seine geliebte Sammlung von alten Schaltern, Klingeln und Stromzählern.