Ich brauchte Jahre, um das Oderbruch zu verstehen

Foto Stefan Schick

Prof Dr. Ing. habil. Joachim Quast, Hydrologe in Müncheberg

Ich wurde 1943 geboren und 2008, nach Erreichen des Rentenalters, bin ich als Leiter des Instituts für Landschaftswasserhaushalt aus dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg ausgeschieden. Danach habe ich noch einige Jahre als externer wissenschaftlicher Leiter ein für das ZALF eingeworbenes Forschungsprojekt zum Hochwasserrisikomanagement zu Ende geführt und die Ergebnisse publiziert. Im Zusammenhang mit dem Binnenhochwasser im Oderbruch, an der Müggelspree sowie in Beeskow war ich 2012 bis 2014 Berater und Gutachter für die Landesregierung. Ich arbeite nach wie vor im Gewässerbeirat MOL und im Naturschutzbeirat mit, halte Vorträge und erstelle Reviews zu Publikationsmanuskripten. Als Gast im ZALF kann ich hier auch weiterhin  noch einen Arbeitsplatz nutzen.
Mit dem Oderbruch, seinem Wasserregime und dessen nachhaltigem Management beschäftige ich mich schon seit fast 50 Jahren. Die hydrologisch-wasserwirtschaftlichen Problemstellungen führten sehr bald auch zu emotionalen Bezügen zur  Kulturlandschaft Oderbruch. Schlussfolgernd aus den Erkenntnissen der 1970er und 1980er Jahre und vertrauend auf die neuen sich bietenden Möglichkeiten habe ich bald nach 1990 das „Konzept Oderbruch 2010“ für eine ökonomisch wie ökologisch nachhaltige Weiterentwicklung dieser Kulturlandschaft von europäischem Rang in die Diskussion gebracht. Einige Vorschläge daraus sind inzwischen umgesetzt.

Wie kam ich ins Oderbruch? Ursächlich durch meine Diplomarbeit. Ich hatte an der TU Dresden Wasserbau und Wasserwirtschaft studiert und bekam ein Diplomthema zur Durch- und Unterströmung von Flussdeichen unter Nutzung von Elektro-Analogie-Modellen gestellt. Das war damals, 1967, absolut top. Die Analogien zwischen Wasserströmungen in porösen Medien (wie zum Beispiel Sand oder Kies) und dem Stromfluss in elektrischen Leitern erlauben es, über die Verknüpfung mittels Maßstabsbeziehungen die Strömungen im schwer zugänglichen Original relativ einfacher und vor allem beliebig reproduzierbar im Modell zu analysieren. Dem Deich und seinem Untergrund entsprach für einen vertikalen Schnitt ein spezifisch beschichtetes elektrisch leitendes Widerstandspapier. Als Analogon für die Wasserstände im Fluss und der binnenseitigen Gräben wurden elektrische Spannungen angelegt. Der gedrosselte Stromfluss durch das Widerstandspapier entsprach der spezifischen Drängewassermenge durch Deich und Untergrund, der Spannungsabfall im elektrischen Modell entsprach dem Wasserdruck im durchströmten Deich und Untergrund. Das Know-how für solche Modellierungen war die Stärke der Dresdner Forschungsgruppe Grundwasser um Ludwig Luckner. Meine Diplomarbeit am Beispiel eines Polders im Elbegebiet brachte mir die Aufnahme in diese Gruppe und ein thematisch unmittelbar anschließendes Forschungsprojekt. Deiche und Dämme mit ihren geohydraulischen und Standsicherheitsproblemen blieben ein Schwerpunkt meiner Arbeiten. Die Methodenentwicklung ging in Richtung elektrischer Widerstands-Netzwerke und zügig auch zu numerischen Lösungen mittels Digitalrechnern. Die TU Dresden verfügte über einen der wenigen leistungsfähigen Großrechner in der DDR.

Der wachsende wissenschaftliche Ruf der Forschungsgruppe Grundwasser, inzwischen verstärkt durch die Kooperation mit dem Institut für Wasserwirtschaft  Berlin, führte dazu, dass ihr mehr und mehr volkswirtschaftlich bedeutsame Problemstellungen zur Untersuchung angetragen wurden. Das Wasserregime im Oderbruch war eine solche Aufgabe.
1965 hatte man damit begonnen, eine  sogenannte „Komplexmelioration“ zu planen. Durch Flächenzusammenlegungen und ein neues großmaschiges Grabensystem mit Schöpfwerken sollten die Voraussetzungen für die Ackernutzung auf maximalen Anteilen der fruchtbaren Böden des Bruchs geschaffen werden. Große, technologisch einheitlich zu bewirtschaftende Schläge sollten eine „industriemäßige“ Pflanzenproduktion ermöglichen.

Für den Entwurf des Systems aus Gräben, Stauwehren und Schöpfwerken  benötigte man Bemessungswerte zu den abzuleitenden Wassermengen, um für die Landnutzung günstige Bodenwasserzustände zu erreichen. Dafür war die Wasserwirtschaftsverwaltung Spree-Oder-Neiße in Cottbus bzw. deren Oberflussmeisterei in Frankfurt/Oder zuständig. Die allgemein verwendeten Niederschlag-Abfluss-Beziehungen waren für Auenstandorte mit hohen Grundwasserständen und Einfluss von Drängewasser nicht geeignet. Das Phänomen „Drängewasser“ war für das Oderbruch seit dessen Eindeichung im 18. Jahrhundert bekannt, nicht aber dessen Beträge und lokales Auftreten im fast 1.000 Quadratkilometer großen Oderbruchpolder. Man zog unsere Dresdner Forschergruppe zu Rate und beauftragte sie schließlich mit geohydrologischen Untersuchungen. Das war 1969. Aufgrund meiner bisherigen Arbeiten und gerade abgeschlossener Entwicklungen zu einem elektroanalogen Widerstands-Netzwerkmodell zur Tagebauregion Lausitz-Ost wurde mir die Federführung für den Oderbruchauftrag übertragen.

Wir begannen unsere Vorarbeiten, wie üblich, mit der Sichtung vorhandener Unterlagen. Das waren neben Planungsdokumentationen vor allem Ergebnisse der hydrogeologischen Erkundung  und der Sondierung der Auenlehmdecke. Das ergab für uns erste Vorstellungen von der Struktur und vom hydrologischen Wirkungsgefüge des Oderbruchs. Ich möchte das so erläutern:
Die Oberflächengestalt entspricht einer doppelt geneigten schiefen Ebene. In der Längsrichtung  fällt das Bruch von Lebus/Reitweiner Sporn bis Bad Freienwalde auf 60 Kilometern 10 bis 12 Meter ab. In Querrichtung fällt das 12 bis 15 Kilometer breite Oderbruch vom heutigen Flussverlauf bis zum westlichen Hang um vier bis fünf Meter ab. Die Auelehmdeckschicht weist sehr unterschiedliche Mächtigkeiten von bis zu drei Metern auf, manchmal fehlt sie auch gänzlich, und der sandige Untergrund ragt bis an die Oberfläche. Das liegt offensichtlich darin begründet, dass die Oder in Vorzeiten in mehreren Armen diagonal durch das Bruch pendelte und mitgeführte Schwebstoffe sich bei Hochwasser nach den Gesetzen der Schwerkraft im überfluteten Gelände absetzten, die groben Fraktionen zuerst und die feineren in weiterer Entfernung vom jeweiligen Flussarm. Schon beim nächsten Hochwasser bewirkten die Strömungskräfte des Wassers  womöglich eine Verlagerung des Flussbettes, wie das für ein Binnendelta üblich ist. Die Beträge dieser Auenlehmsedimentation lagen sicherlich bei nur wenigen Millimetern pro Jahr.
Für den Untergrund, den sogenannten Grundwasserleiter oder Aquifer, wiesen die Erkundungsberichte sandige und in der Tiefe zunehmend kiesige Sedimente aus. Diese liegen wie in einem Trog mit einer Basis aus wasserundurchlässigem Material, dem sogenannten Stauer. Die größte Mächtigkeit weist der Grundwasserleiter mit 20 bis 30 Metern nahe dem westlichen Hang des Oderbruchs auf, am östlichen Rand des Bruchs sind es nur 10 bis 15 Meter, bis auf einen tieferen Bereich bei Hohenwutzen. Besonders gut war das geologische Profil entlang der Bundesstraße zwischen Seelow und Küstrin erkundet. Für die  nördlich gelegenen Bereiche haben wir noch eine ergänzende geoelektrische Sondierung zur Ermittlung der Tiefenlage des Grundwasserstauers erreichen können.
Im Frühjahr 1970 waren meine Dresdner Kollegen und ich dann zum ersten Mal persönlich im Oderbruch. Der Eindruck der Landschaft war überwältigend, die Ortschaften wiesen noch deutlich sichtbare Spuren von Kriegszerstörungen auf. Wir starteten am Reitweiner Sporn, sahen dort zum ersten Mal die herrlich gelb blühenden Adonisröschen. Dr. Volker Mrugowski, der Leiter der für das Oderbruch-Vorhaben verantwortlichen Investitionsgruppe für Meliorationen, stimmte uns auf die Gesamtproblematik ein. Es ging den Deich entlang und dann ab Genschmar quer durchs Bruch.

Zur Einordnung unserer Untersuchungen möchte ich vorab einige Bemerkungen zur Nutzungsgeschichte des Oderbruchs machen. Das Oderbruch wurde gewöhnlich ein- bis zweimal im Jahr durch Hochwasser in der Oder überschwemmt. Ursächlich waren zum einen die Schneeschmelze im oberhalb liegenden Einzugsgebiet, die im März und April „Winterhochwasser“ brachten, und zum anderen extreme Regenfälle in diesen Gebieten in den Monaten Juni bis August mit kurzfristig nachfolgenden „Sommerfluten“. Nach Rückgang der Fluten fielen große Gebietsanteile wieder trocken, so dass eine Nutzung als Grünland und teilweise auch als Ackerland möglich war. Die „Altdörfer“ zeugen davon. Das Heu aus den natürlich wachsenden harten Gräsern soll einen guten Ruf als Futter für Kavalleriepferde gehabt haben. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden im oberen Oderbruch von Lebus bis Küstrin erste Deiche  angelegt, um die Oder unmittelbar an die Festung Küstrin zu leiten und das Land hinter dem Deich vor Überschwemmung zu schützen. Der Deichbau wurde Anfang des 18. Jahrhunderts fortgeführt, wobei die Oder planmäßig am östlichen Rand der Niederung fixiert wurde. Hinter dem Deich gab es noch Überflutungen bis auf eine Geländehöhe, die dem Hochwasserstand am jeweils erreichten Deichende entsprach. Um 1740 war der Deich bis Zellin fertig, der Rückstau großer Fluten reichte am westlichen Bruchrand jedoch immer noch bis in die Gegend von Seelow. Große Gebietsanteile um Manschnow, Gorgast und Genschmar wurden aber nicht mehr überflutet. Nun war guter Rat teuer.
Ich wage heute die These, dass die dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zugeschriebene Äußerung, er wolle das Weitere seinem Sohn überlassen, vor allem aus der Not geboren war, dass man keine Lösung für  die Ableitung von Hochfluten durch ein eingedeichtes Oderbett über Güstebiese, Wriezen und  Freienwalde hatte. So hohe Deiche? Unmöglich! Erst die ab 1747 unter Friedrich II. realisierte Lösung mit dem „Neuen Oder Canal“ zwischen Güstebiese und Hohensaaten war brauchbar und brachte einen solchen Effekt für die schnelle Ableitung des Hochwassers, dass der alte Oderverlauf mit seinen ebenfalls neu errichteten Deichen nicht mehr benötigt wurde. 1832 ist die Alte Oder bei Güstebiese abgeriegelt worden.

Zurück  zu unseren hydrologischen Untersuchungen ab 1969/70: Ich plante für die Analyse der regionalen Grundwasserströmung im Bruch ein horizontal-ebenes Widerstands-Netzwerkmodell mit einer Aufgliederung des Gebiets in unregelmäßige Dreiecke. So kann man Modellstrukturen gut an die Geometrie des Originals wie zum Beispiel den Verlauf der Gräben anpassen. Ordnet man auf jeder Dreiecksseite zwei Widerstände an, so ergeben sich um die Netzknoten Polygonflächen, die einen Bereich des Grundwasserleiters repräsentieren.
Spätestens jetzt war deutlich geworden, dass  für die Eichung oder Kalibrierung des Modells Bodenkennwerte zur Wasserleitfähigkeit des Grundwasserleiters fehlten. Auch gab es kaum Messwerte zu Grundwasserständen. Ein dafür erforderliches Messstellennetz fehlte. Es wurde kurzfristig bewilligt und innerhalb weniger Wochen installierte eine Eisenhüttenstädter Brunnenbaufirma 250 kleine, fünf Meter tief reichende Grundwasserbeobachtungsrohre. Zur Überprüfung der Grundwasserströmung in Deichnähe wurden drei  Sondernetze angeordnet. An diesen Orten führte eine Dresdner Brunnenbaufirma unter wissenschaftlicher Anleitung durch meinen Doktorandenkollegen Ulrich Beims sogenannte Dauerpumpversuche zur Ermittlung der Wasserleitfähigkeit im Aquifer durch. Für diese Tests wurden Brunnen bis zum Stauer abgeteuft, mit Messstellen umgeben und mehrere Wochen im Förderbetrieb gefahren. Ein hoher Aufwand, um Kennwerte für die Modellierung zu gewinnen.
Das Ganze wurde dann im Frühjahr 1971 noch getoppt, als an zwei Messterminen Messtrupps aus der gesamten DDR ins Oderbruch geholt wurden, um Grundwasserstände in allen Gräben an allen Messrohren und Abflüssen zu messen.

Im Anschluss habe ich das Modell Schritt für Schritt entsprechend der  Messungen „kalibriert“ – also die Messergebnisse eingepflegt, so dass die Situation an den Messterminen abgebildet wurde. Das war eine Hundearbeit, die insgesamt ein halbes Jahr in Anspruch nahm. Fast 1.000 Widerstände sind nach der Methode Trial and Error (Versuch und Irrtum) schrittweise so eingeregelt worden, dass das Grundwasser- und Abflussregime während des mittleren Hochwassers 1971 gut abgebildet wurde. Das rechtfertigte dann Variantenuntersuchungen zum Systemverhalten bei höheren oder geringeren Wasserständen der Oder und in den Binnengräben. Eine derartige regionale Modellierung hatte es bis dahin noch nicht gegeben.

Foto Uli Seifert

Was wir herausfanden? Die Gesamtmenge an Drängewasser, die entlang von 60 Kilometern Deich durch den Untergrund ins Oderbruch einströmt, vom Grabennetz aufgefangen und über die Alte Oder bei Bad Freienwalde abgeführt werden muss, variiert zwischen fünf Kubikmeter pro Sekunde bei Mittelwasser der Oder, zehn  bis zwölf Kubikmeter pro Sekunde bei mittlerem Hochwasser und mehr als 15 Kubikmeter pro Sekunde bei höchsten Wasserständen. Hohe Wasserstände in den Gräben mindern den Wasserzustrom und sollten deshalb bei Hochwasser immer eingestellt werden. Dies gilt insbesondere in Deichnähe, wo der Wasserdruck im Grundwasserleiter unter der Auendeckschicht in einer ein bis zwei Kilometer breiten Zone höher als das Gelände liegen kann. So haben wir zum Beispiel später, beim Hochwasser 1997, 50 Meter vom Deich entfernt in einem Messrohr bei Hohenwutzen Grundwasserdrücke von 1,6 Metern über Gelände gemessen. Das war äußerst kritisch für die Standsicherheit des Deiches und die Auelehmdeckschicht. Für diesen Bereich bei Hohenwutzen wurden schon im Model von 1971 die höchsten spezifischen Drängewasserzuflüsse ermittelt. Ähnlich hohe Zuflüsse pro Kilometer Deich zeigten sich bei Reitwein, an der Deichbruchstelle von 1947. Von Küstrin bis Kienitz lagen die Werte der Deichunterströmung dagegen wesentlich niedriger. Solche Differenzierungen waren eine besondere Möglichkeit des Modells.
In größerer Entfernung zum Deich folgt der Grundwasserabfluss etwa bis in die Nähe des Friedländer Stroms dem Geländegefälle. Dort gibt es eine ziemlich konstante Grenzzone zum Einflussbereich der westlichen Hangdruckwasserzuflüsse.
Die Ergebnisse meiner Modellanalysen fanden Eingang in Projektpräzisierungen. Grabenbreiten und -tiefen konnten verringert werden und manche Grabentrassen wurden geändert, da unter anderem nur quer zur Grundwasserströmung liegende Gräben einen Entwässerungseffekt haben. Das erklärt auch den geringen Drängewasseranfall in der Güstebieser Alten Oder zwischen Güstebiese und Wriezen, die parallel zur Grundwasserfließrichtung verläuft.

Hier will ich einfügen, dass wir Hydrologen für die regionale Bewertung der Grundwasserströmung gern Isolinienpläne der Grundwasserstände, sogenannte Hydroisohypsen, nutzen. Ähnlich den geodätischen Höhenliniendarstellungen kann man daran Gefälle und Fließrichtung der Grundwasserströmung ablesen. Wir suchten Möglichkeiten, solche Isolinien per Computer zu berechnen und auszudrucken. Das war damals alles andere als trivial. Hilfe kam von Mathematikern im Rechenzentrum des Kernforschungszentrums Rossendorf bei Dresden. Die Kollegen entwickelten eine Interpolationssoftware, mit der aus den Messwerten des Modells Linien gleicher Grundwasserstände berechnet und als Zifferngrafik auf normalen Druckern gedruckt werden konnten. Wir klebten die zugehörigen Papierbahnen dann zusammen und erhielten Isolinienkarten der Grundwasserstände für das gesamte Oderbruch im Maßstab 1:50.000. Diese Software fand damals schnell Interessenten auf dem internationalen Markt, Verkäufe scheiterten aber an den hohen Preisforderungen des DDR-Außenhandels. Heute gibt es dafür selbstverständlich Standardgrafiksoftware.

Mit dem Abschlussbericht unter dem schlichten Titel „Drängewasserberechnung Oderbruch“ und dessen Übergabe an die Auftraggeber Anfang 1972 war dieser Auftrag für die Dresdner Forschungsgruppe Grundwasser erfüllt. Ich bekam eine stattliche Prämie und konnte die Methodik der Modellkalibrierung in meine ein Jahr später fertiggestellte Dissertationsschrift einarbeiten.

Unsere Beziehungen zum Oderbruch waren damit aber nicht beendet. Das Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit (FZB) Müncheberg erteilte einen Auftrag für eine Studie zu den Möglichkeiten einer operativen Steuerung des Bodenwasserhaushaltes im Oderbruch nach Fertigstellung der „Komplexmelioration“. Bei der Investitionsgruppe für Meliorationen in Frankfurt/Oder nahm man den Aufbau eines eigenen Analogielabors in Angriff. Zwei Diplomanden wurden dafür in unserer Forschungsgruppe qualifiziert, und auch mein „Regionalspezifisches Elektroanaloges-Widerstands-Netzwerkmodell Oderbruch“ wurde dorthin übergeben.

Bei Abflussmessungen in den Gräben, die wir 1974 während eines mittleren Hochwassers kurz vor Weihnachten durchführten, konnten die Modellergebnisse mit großer Genauigkeit bestätigt werden. Das entschädigte für das „bis–zur-Brust-im-Wasser-stehen“ während der Messungen.
Das erfolgreiche Funktionieren des neugestalteten Entwässerungssystems, der größte Eingriff seit der Urbarmachung um 1750, ermutigte zu weiteren Maßnahmen, von denen ertragssteigernde Effekte erwartet wurden. Das  waren vor allem die Installation von Beregnungsanlagen und auch spezielle Dränanlagen zur sicheren Entwässerung noch verbliebener Flächen mit „Schadnässe“ im Frühjahr. Das alles war sehr teuer. Die Kosten wurden weitgehend vom Staat getragen. Allein wichtig waren die erzielten Ertragssteigerungen.
Unter solchen Prämissen wurde nach einigen Trockenjahren ab 1975 in der DDR ein gewaltiges Bewässerungsprogramm aufgelegt.
In diesem Jahr wechselte ich gerade von Dresden nach Müncheberg ins Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit. Man hatte mir, nur zwei Jahre nach meiner Promotion, angeboten, dort im Bereich Hydromelioration eine eigene Abteilung „Grundlagen der Hydromelioration“ aufzubauen und dafür geeignete Mitarbeiter einzustellen. In kurzer Zeit wurde daraus ein interdisziplinäres Team der Fachrichtungen Landwirtschaft/Beregnung, Wasserbau/Hydraulik, Hydrologie, Hydrochemie, Hydrobiologie, Physik/Grundwasser, Geophysik, Numerische Mathematik und Technische Kybernetik/Regelungstechnik. Als Forschungsschwerpunkte wurden Analysen und Verhaltensmodelle zu Bodenwasserregulierungssystemen einschließlich der zugehörigen technischen Entwicklungen vorgegeben. Gebraucht wurden auch bessere Methoden zur kritischen Bewertung mancher früheren empirischen Verfahrensentwicklungen.

Im Oderbruch erwies sich eine Versuchsanlage zur Einstaubewässerung, bei der nahe dem Genschmarer See mittels Pumpen Gräben gefüllt wurden, als wirkungslos. Das in der Grabensohle infiltrierte Wasser floss im Grundwasserleiter dem Geländegefälle folgend ab, und auch bei Kontakt mit der Auelehmdeckschicht wäre der kapillare Wasseraufstieg zu gering, um eine Bewässerungswirkung zu erreichen.
Auch eine andere, technisch sehr aufwändige Lösung, bei der Drängräben über dem Dränrohr mit Kies oder Schotter verfüllt wurden – die sogenannte Sickergrabendränung – war für die erhoffte Entwässerung der schwerdurchlässigen Auenböden nicht nachhaltig und verschlammte nach wenigen Jahren. Gleiches zeigte sich bei Verfahren zur Tiefenlockerung oder der sogenannten Maulwurflockerung, bei der an der Basis der Lockerungszone durch einen Presskörper ein rohrartiger Hohlraum geformt wurde. Solche ungeeigneten Lösungen waren aber leider schon auf hunderten Hektar gängige Praxis geworden.
Für die Auenböden im Oderbruch ist schon aus rein physikalischen Gründen jedwede Rohrdränung ungeeignet. Das stand schon 1980 fest, und dennoch gibt es bis heute immer wieder Forderungen nach Dränung vernässter Auenstandorte, nicht zuletzt nach dem Binnenhochwasser 2012/13.
In meiner Dissertationsschrift zur Promotion B 1984 habe ich mich mit der Wirksamkeit und der Bemessung technischer Lösungen zur Bodenwasserregulierung auseinandergesetzt. Im gleichen Jahr wurde mir die Leitung des gesamten Bereiches Hydromelioration im FZB übertragen. Zunehmend gewannen damals auch ökologische Konflikte im Zusammenhang mit Meliorationsmaßnahmen an Relevanz. Die Gräben und Fließe, wie zum Beispiel  die reliktischen Oderaltarme, wiesen eine schlechte Wasserqualität auf. Zudem war der Fischbesatz dürftig. In der stark ausgeräumten Landschaft mangelte es an Habitaten für eine gute Biodiversität. Die Möglichkeiten für eine biotopschonende Gewässerunterhaltung kamen kaum zur Anwendung.

Als ich nach 1990, mit Gründung des ZALF, als Leiter des Instituts für Landschaftswasserhaushalt meine Arbeit in einer ähnlichen disziplinären Gliederung, mit Ausnahme der technischen Entwicklungen, fortführen konnte, lag eine kritische konzeptionelle Aufarbeitung der in zwei Jahrzehnten zum Oderbruch gewonnenen Erkenntnisse nahe.

Ich muss gestehen, dass ich Jahre brauchte, um zu verstehen, wie das Oderbruch funktioniert; und dieser Prozess dauert bis heute an. Immer wieder gibt es  „Aha-Effekte“. Erstaunlich ist aber auch, wie viel sich immer noch mit den Modellergebnissen von 1970 erklären lässt.
Eins steht fest: Wer immer sich zum Oderbruch äußern will, muss die Grundfrage stellen: „Wie funktioniert das Oderbruch?“ Andernfalls sind Handlungsempfehlungen nicht nachhaltig.
Blicken wir noch einmal zurück: Die Meliorationsarbeiten unter Friedrich II. hatten drei Schwerpunkte: der Oder einen schnellen Abfluss zu verschaffen, den Fluss mit tüchtigen Deichen einzufassen und die Flächen hinter den Deichen zu kultivieren. Allerdings ging das Erschließen neuer landwirtschaftlicher Flächen nur schrittweise vonstatten. Vielerorts verblieben feuchte Senken. Der gesamte Glietzener Polder, auch genannt „Nasser Polder“, war bis Ende des 19. Jahrhunderts noch Feuchtwiesengebiet mit Rückstauüberflutungen bei Hochwasser. Hier wurde Weidewirtschaft und Ochsenmast betrieben.

Der Preis für die Erschließung der tiefen Flächen war, dass man pumpen musste. 1895 nahm man bei Neutornow das erste Schöpfwerk in Betrieb. Gleichzeig war unseren Vorgängern aber auch klar, dass bei tieferen Wasserständen hinter dem Deich die Wasserspiegeldifferenz zum Oderwasserstand größer würde, ein größerer Drängewasserzustrom auftreten und die Standsicherheit von Gräben und Deich gefährdet sein würde. Zur Gefahrenabwehr oder nach heutiger Terminologie „zum Hochwasserrisikomanagement“ errichtete man in einiger Entfernung einen zweiten niedrigeren Deich, flutete bei Hochwasser den Zwischenraum und reduzierte so stufenweise die kritischen Wasserspiegeldifferenzen zwischen Außen- und Binnendeich. Das funktionierte über 30 Jahre ohne Probleme. Als in den 1920er Jahren elektrisch betriebene Schöpfwerke die Regel wurden, schien die alte, auf Erfahrung fußende Lösung verzichtbar. Der Drängewasserdeich wurde geschleift. Mehrere Schöpfwerke ermöglichten nun Ackernutzung anstelle des vormaligen Feuchtgrünlandes im Flutungspolder. Das bei Oderhochwasser in den deichnahen Gräben zu beobachtende „Sandkochen“ war Indiz für potenzielle Grundbruchgefährdung. 1997 blieb uns der GAU bei Hohenwutzen durch beherztes Handeln sachkundiger Experten in letzter Minute erspart. Bei Hochwasser der Oder sind hinterm Deich hohe Wasserstände die Regel!
Hierzulande waren die Begriffe „Drängewasser“ (mit Austritten als „Kuverwasser“ direkt am Deich) und als „Qualmwasser“ in der weiteren Fläche bereits im Mittelalter bekannt. In Zollbrücke im Parallelgraben hinter dem Deich zum Beispiel kann man dieses „Qualmen“ oder „Sandkochen“ bei hohen Wasserständen der Oder beobachten. Am Grund des Grabens sieht man dann den Sand umherwirbeln. Sobald größere Mengen Sand ausgespült werden, wird es für den Deich gefährlich.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf die 1832 bei Güstebiese abgesperrte Alte Oder werfen. Das war ursprünglich so nicht geplant. Der „Neue Oder Canal“ sollte das Hochwasser schnell ableiten, der alte Oderverlauf, ebenfalls eingedeicht, sollte Mittelwasser führen und schiffbar bleiben. Die Hochwasserabflüsse haben den neuen Kanal dann aber so erodieren lassen, dass für das alte Flussbett nicht genügend Wasser blieb, um es schiffbar zu halten. Die Abriegelung von 1832 war kein Segen. Der Totarm verlandete zu einem stinkenden Rinnsal. In den 1970er  Jahren wurden dort Enten gemästet.
Wenn irgend möglich, müsste aus diesem alten Oderarm wieder ein Fließgewässer gemacht werden. Wie? Durch Wassereinleitung aus der Strom-Oder bei Güstebiese.
Betrachten wir das Problem der über 20 Schöpfwerke und die für ihren Betrieb erforderlichen hohen Kosten. Während der Komplexmelioration der 1970er Jahre galt das Ziel, große Produktionsflächen zu gewinnen und jeden Quadratmeter Boden zu nutzen. Um selbst die Senken bewirtschaften zu können, musste man die Grundwasserstände absenken und dafür in hohem Maße Wasser abpumpen. Die Schöpfwerke stehen an Tiefpunkten vor Einmündung der Gräben in den nächst größeren Vorfluter. Wenn dort günstige Grundwasserstände von etwa 1,5 Metern unter Flur eingehalten werden sollen, gibt es höher gelegene Teilflächen im gleichen Vorteilsgebiet mit Grundwasserständen von zwei bis drei Metern unter Flur. Das ist viel zu tief. Kann man am teuren Pumpen sparen, auf einem geringen Flächenanteil Vernässungen akzeptieren und dafür auf den größten Flächenanteilen günstige Grundwasserstände erreichen? Ich meine: Ja. Zudem würde es sich ökologisch günstig auswirken.

Die Kosten für Schöpfwerke müssten im Verhältnis zum Nutzen stehen. Zu DDR-Zeiten hat der Staat für den Bau der Anlagen und für das Pumpen bezahlt. Es gab zwar Berechnungen, wie viel Mehrerträge man durch die Maßnahmen würde einfahren können, aber diese bewegten sich eher im Bereich der Fiktion. Es ist an der Zeit, solche Kalkulationen für die heutigen ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen anzustellen.
Anfang der 1990er Jahre begann ich an einem Konzept für das Oderbruch zu arbeiten, das später unter dem Titel „Konzept Oderbruch 2010“ bekannt wurde. Eine der Grundideen war, die hohen Kosten für die Entwässerung zu senken, das Bruch zugleich ökologisch aufzuwerten sowie sein kulturelles Erbe stärker zu nutzen. In diesem Konzept schlug ich unter anderem vor, um sehr tiefgelegene Schöpfwerke herum in begrenztem Umfang wieder Feuchtflächen in Kauf zu nehmen. Ein anderer Vorschlag war, einen Streifen von etwa 500 Metern hinter dem Deich wieder zu Feuchtwiesen werden zu lassen. Als einen der Hauptgründe führte ich  ins Feld, dass die Entwässerung dieser tiefsten Lagen aus Gründen der Flutprävention fragwürdig wäre. Ein anderer Grund ist, dass die Entwässerung und Nutzung dieser Flächen, wie erwähnt, sehr teuer ist.  Ein dritter Grund ist, dass ein paar Feuchtflächen sowohl für die Flora und Fauna einen günstigen Effekt hätten, als auch das Oderbruch landschaftlich aufwerten würden.
Ein Hauptziel meiner Vorschläge war von Anfang an, reliktische  alte Oderverläufe wieder an die Oder anzubinden und ihre Renaturierung zu Fließgewässern zu ermöglichen.  Günstige Bedingungen gibt es dafür sowohl in der bereits erwähnten Güstebieser Alten Oder, aber auch in Kienitz und bei Reitwein. Bei Reitwein und Güstebieser Loose sind inzwischen Durchleiter gebaut worden und schon seit einigen Jahren in Betrieb. In Kienitz  ist eine Heberleitung erneuert worden. Diese Maßnahmen haben bereits positive Entwicklungen befördert. Die Angler merkten das sofort – die Fischbestände erholten sich schnell.

Wichtig zu erwähnen ist, dass bei meinen Überlegungen die Landwirtschaft im Oderbruch keineswegs eine der Ökologie nachgeordnete Rolle spielen soll. Der Verzicht auf Entwässerung im Umfeld einigerSchöpfwerke sowie in den Feuchtwiesenstreifen hinter dem Deich würden nach meiner Schätzung nicht mehr als zehn Prozent bisherigen Ackerlands in Anspruch nehmen.
Ob man die Landwirte für solche Flächen entschädigen müsste? Natürlich müsste man das. Ich selbst stamme aus einer Bauernfamilie und weiß, dass Landwirte rechnen – und rechnen müssen. Für solche Entschädigungen müsste die Politik Regelungen finden.

Ein großer Teil des „Konzepts Oderbruch 2010“ ist bereits verwirklicht worden. Der Feuchtstreifen an der Oder existierte an den meisten Stellen ohnehin schon. Bei den sehr positiv wirkenden Durchleitern  muss man aber auch einräumen, dass die Maßnahmen teuer waren und aufwändig in der Unterhaltung sind. Besonders wichtig scheint mir in den nächsten Jahren eine qualifizierte Kosten-Analyse zu einigen Schöpfwerken. Das inzwischen beim Gewässer- und Deichverband in den Praxistest gegangene automatische Managementsystem  bietet dafür beste Voraussetzungen.

Ob Maßnahmen zum Naturschutz auch Grenzen haben? Wenn Naturschutz falsch verstanden wird, dann ja. Zum Beispiel sind meiner Meinung nach Biber unbedingt von Deichen fernzuhalten, weil jegliche Hohlräume in Deichen und in der Nähe von ihnen zu Erosionserscheinungen führen und ihre Standsicherheit bedrohen können. Auch als Mitglied im Naturschutzbeirat beim Landkreis ist meine Position da eindeutig.

Immer häufiger wird die Frage gestellt, was man tun müsste, um das Oderbruch auf den Klimawandel vorzubereiten. Die Binnenhochwasser 2010/11 und 2012 interpretiere ich zum Beispiel als Folge des Klimawandels. Frühere Hochwasser hatten meist mit hohen Wasseraufkommen im Quellgebiet und in den Oderzuflüssen in Polen zu tun. 2011 war die Ursache Dauerregen. 2010/11 ging im Sommer und im darauffolgenden Frühjahr der gesamte Jahresniederschlag innerhalb von acht Wochen nieder. Das Wasser stand auf den Äckern und floss auf die Dörfer zu. Was man gegen ein Binnenhochwasser ausrichten kann? Die Schöpfwerke anzuwerfen hilft nicht viel, da diese das Grundwasser abpumpen, das Regenwasser aber auf den wenig durchlässigen Auenlehmböden steht. Bei Binnenhochwasser hilft Entwässerung über Oberflächengräben. Unter meiner Mitwirkung als Berater des Umweltministeriums  wurden nach 2012 in vielen Gemeinden solche Gräben neu angelegt. Allerdings kann es in der Zukunft auch wieder zu Hochwasserereignissen kommen, die mit extrem hohen Wasserständen in der Oder einhergehen, wobei die ertüchtigten heutigen Deiche  überströmt werden könnten. So wie 1947, als der Deich überströmt wurde und brach.
Wir dürfen nicht vergessen, dass Überschwemmungsereignisse überall in der Welt extremer werden. Was ist zu tun? Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz müssen fortgesetzt werden. Das heißt: Man braucht gute Deiche – und die haben wir inzwischen, seit sie nach 1997 saniert und aufgerüstet wurden. Mit einer Böschungsneigung von 1:3 haben sie eine „breite Auflage“ und damit eine gute Standsicherheit.
Im Fall von Extremhochwassern allerdings könnte es passieren, dass das Wasser höher als die Deichkrone steigt und der Deich durch Erosion zerstört wird.
Für einen solchen Extremfall hatte ich vor nicht allzu langer Zeit vorgeschlagen, an bestimmten Stellen befestigte „Überlaufstrecken“ einzurichten. Sollte das Wasser so hoch stehen, dass ein Dammbruch droht, könnte man über eine solche Strecke kontrolliert die Spitze kappen und Wasser in die Ebene fließen lassen. Es würde zu Überschwemmungen kommen, die aber in Grenzen gehalten werden können. Dies würde erfordern, dass die Gebäude ertüchtigt werden, wie das heute schon an Rhein und Mosel gehandhabt wird. Elektro- und Sanitäranlagen würden nicht im Erdgeschoss verbleiben, sondern wanderten ein Stockwerk höher. Die Schäden blieben geringer. Die Wiederherrichtung der Infrastruktur gelänge besser als das zum Beispiel nach 1997 in der Ziltendorfer Niederung der Fall war. Um nicht missverstanden zu werden: Dieser Vorschlag bezieht sich auf ein absolutes Notfallszenario, für das wir aber vorsorgen sollten! Die  Gesetzgebung zum Hochwasserrisikomanagement verlangt geeignete Vorsorge. Wichtig ist, rechtzeitig zu beginnen, um nicht eines Tages böse überrascht zu werden. Deiche können nicht bis in den Himmel gebaut werden, auch im Oderbruch nicht.
Dieser Vorschlag hat mir eine Menge Kritik eingebracht. Und ich muss sagen, es schmerzt mich, wenn nach einem Vortrag Menschen vor mir stehen und sagen: „Vor 40 Jahren haben Sie hier Flächen trockengelegt. Jetzt wollen Sie uns wieder zu Fischern machen.“ Das stimmt nicht. Ich habe nichts trocken gelegt. Schon gar nicht will ich die Leute zu Fischern machen. Niemand will das. Nach dem Hochwasser 1997 haben sich alle zum Oderbruch bekannt. Bei einer Kreistagssitzung in Neutrebbin damals hieß es: „Das Oderbruch, ein Land zum Leben.“ Dabei soll es bleiben, und niemand sollte daran Zweifel haben.

Allerdings kostet das Wassermanagement im Oderbruch sehr viel Geld. Eine Kulturlandschaft braucht Pflege.
Wer eine Kulturlandschaft erhalten will, muss sich kulturvoll verhalten. Es wird noch viel Zeit und Mut kosten, uns allen klarzumachen, dass wer eine Landschaft will, sich auch dazu bekennen muss. Ich denke, dazu muss man weiter Bildungsarbeit betreiben. Politiker wie Bewohner der Region müssen begreifen, wie das Oderbruch im Ganzen funktioniert. Man muss es im Ganzen betrachten und kann nicht nur die eigene Sache sehen. Wenn ich hier lebe, muss ich verstehen, was diese Landschaft braucht – was hier geht, was hier nicht geht. Und was Maßnahmen, wenn man sie haben will, kosten.

Aufgeschrieben von Tina Veihelmann