Über Albrecht D. Thaer

Albrecht Daniel Thaer (1752 – 1828)
Landwirt und Agrarwissenschaftler auf dem Barnim und im Oderbruch

Von Prof. em. Dr. Martin Frielinghaus

Albrecht Daniel Thaer
Abb. 1: Thaer im Jahre 18031. Einleitung

Albrecht Daniel Thaer arbeitete zunächst in Celle als erfolgreicher Humanmediziner. Im Laufe der Jahre befasste er sich zunehmend mit landwirtschaftlichen Fragestellungen. Er wurde Mitglied der dortigen Landwirtschaftsgesellschaft und war Mitherausgeber der „Annalen der Niedersächsischen Landwirthschaft“. Schließlich kaufte er vor den Toren der Stadt eine kleine Landwirtschaft. Vormittags führte er seine Arztpraxis weiter, nachmittags widmete er sich dem landwirtschaftlichen Betrieb. Dort richtete er 1802 ein landwirtschaftliches Lehrinstitut ein. Mit der Herausgabe von Fachbüchern machte er sich überregional als Agrarspezialist bekannt.

Im Februar 1804 erging an Thaer die briefliche Bitte des Ministers von Hardenberg, von Celle (Kurfürstentum Hannover) nach Preußen überzusiedeln. Er machte sich umgehend auf den Weg nach Berlin. Noch in Berlin erhielt Thaer ein Handschreiben des Preußischen Königs vom 19. März 1804. Dem lag eine Ordre bei, welche die Übersiedlung regelte: Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften, Übereignung einer verkaufbaren Erbpacht eines Teils der Domäne Wollup im Oderbruch, Berechtigung zum Kauf eines geeigneten Rittergutes, Zustimmung und Unterstützung für die Errichtung eines landwirtschaftlichen Lehrinstituts, Ernennung zum Königlich Preußischen Geheimen Kriegsrat.

Die Entwicklung von Domäne bzw. Amt Wollup lässt sich über Karten sehr gut dokumentieren. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die Region zu unterschiedlichen Zeiten. Die Abbildung 2 aus dem Jahre 1749 vermittelt einen geringen Ackeranteil und einen hohen Anteil von Grünland und Hutungsflächen mit Baumbestand. Der 1753 abgeschlossene Neubau der Stromoder von Güstebiese nach Hohensaaten hatte sich noch nicht ausgewirkt. Das Messtischblatt von 1826 der Abbildung 3 dagegen demonstriert eine Landnutzung, die der aktuellen Situation schon sehr nahe kommt.

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Abb. 2: Karten der Ämter Wollup, Kienitz und Friedrichsaue mit dem Stand von 1749

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Abb. 3: Abschnitt aus dem Messtischblatt von 1826

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Thaer hat die ihm übertragenen 100 ha der Domäne Wollup nie bewirtschaftet, weil der fruchtbare Oderbruchstandort für seine Pläne ungünstig war. Er wollte seine Thesen auf einem für weite Teile Preußens typischen und deshalb sandigen Standort demonstrieren. Daher leitete er sehr schnell den Verkauf der Wolluper Erbpacht ein.

Bereits am 30. Juni 1804 erwarb Thaer das Rittergut Möglin, gelegen auf dem Barnim, am Rande des Oderbruchs, mit etwa 250 ha. Gleichzeitig übernahm er die Erbpacht für das Vorwerk Königshof im Oderbruch mit etwa 50 ha. Mit ihm kamen 23 Personen nach Möglin: Familienangehörige, Mitarbeiter und Personal mit Familie.

2. Der Ankauf des Ritterguts Möglin

Thaer kaufte das „Rittergut“ Möglin. Damit wird deutlich, dass er ein vormals adliges Gut übernahm, dem im Allgemeinen Landrecht besondere Privilegien zugesprochen wurden. Seit 1750 benötigten Bürgerliche, die in Preußen ein adliges Gut erwerben wollten, eine königliche Genehmigung. Mit dem Kauf übernahm der bürgerliche Besitzer aber nicht automatisch auch alle an das Gut gebundenen Ehrenrechte, wie z.B. die Gerichtsbarkeit oder die Landtagsfähigkeit. Die Freigabe des Gütermarkts erfolgte erst mit dem Oktoberedikt von 1807. Die Tatsache, dass der Bürgerliche Thaer bereits 1804 ein Rittergut erwerben konnte, bringt die Wertschätzung des Königs für ihn zum Ausdruck.

Thaer selbst und sein erster Biograf haben eine Vielzahl von Begründungen für den Ankauf genannt. Zunächst war sicher wichtig, dass Thaer die Region schon bereist hatte. So unternahm er 1799 und 1801 zwei Reisen in die Mark Brandenburg. Dabei lernte er viele Gutsbesitzer der näheren Umgebung kennen und schätzen, so z.B. die Frau von Friedland auf Kunersdorf.

1803 brachte er Frau und Töchter während der französischen Besetzung Celles im Brandenburgischen in Sicherheit. Thaer hatte nicht die Absicht, sich den Mühen der Separation und der Abgeltung von Hand- und Gespanndiensten zu unterziehen. Außerdem wollte er, ohne vorgelagerte Baumaßnahmen, schnell mit vielen Personen übersiedeln. Möglin war ein arrondiertes Rittergut mit zunächst ausreichender Bausubstanz. Es gab keine Bauern, vier Handdienste leistende Kossäten, ansonsten nur Tagelöhnerfamilien.

Möglin war ein vernachlässigtes Gut, der Boden in schlechtem Kulturzustand. Folglich ließ sich gut demonstrieren, welche Möglichkeiten in einer zweckmäßig eingerichteten Fruchtwechselwirtschaft stecken. Der Betrieb auf der Barnimer Höhe mit diluvial geprägten sandig-lehmigen Böden ergänzte sich gut mit dem Vorwerk Königshof im Oderbruch mit schweren alluvialen Böden.

Es gab in Möglin eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit der Ackerflächen durch den Einsatz von Mergel, Kalk- und Modererde zu verbessern. Die Kontraste zwischen Möglin und Königshof, verbunden mit dem Beispiel der umliegenden, erfolgreich bewirtschafteten Großbetriebe, waren für die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Lehrinstituts günstig.

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Abb. 4: Titelblatt von 1815

Um die Futterwirtschaft auszuweiten und zur Stallfütterung überzugehen, war Thaer an ertragreichen Wiesen interessiert. Er sah in Möglin eine Möglichkeit, durch die Anlage von Schwemmwiesen das ertragreiche Grünland zu vermehren. Er wollte dazu eine Lehr- und Demonstrationsfläche schaffen, die in das Königreich ausstrahlen sollte. Südlich von Möglin in Richtung Batzlow verwirklichte er den Plan.

Schließlich war die relative Nähe zur Berliner Residenz von Vorteil: Nah genug, um den Kontakt aufrecht zu erhalten, fern genug, um sich nicht ablenken zu lassen.

In „Die Geschichte meiner Wirthschaft zu Möglin“ (Abb. 4) kam er 1815 nochmals auf die Gründe für den Ankauf des Rittergutes Möglin zurück.

Er formulierte seine Zielstellung: Demonstration der Möglichkeiten, auf einem typischen Standort der Mark Brandenburg mit ungünstigen natürlichen Standortbedingungen ökonomisch erfolgreich zu wirtschaften.

Er bekannte aber auch, die Heterogenität des diluvialen Standortes nicht genügend erkannt zu haben. Der schnelle Wechsel von Bodenqualität und Bodenart auf engem Raum, das ausgeprägte Bodenmosaik, erschweren auch heute noch die landwirtschaftliche Produktion.

3. Vorwerk Königshof im Oderbruch

Das Vorwerk wurde schon mehrfach erwähnt. Es umfasste etwa 75 ha. Seit 1753 hatten sich mit der Fertigstellung des Neuen Oderkanals von Güstebiese nach Hohensaaten unter König Friedrich II. die Entwässerungsmöglichkeiten auch im Raum Königshof schrittweise verbessert. Die Karte von 1826 (Abb. 5) demonstriert bereits einen hohen Anteil Ackerland (weiß ausgewiesen) um das Vorwerk herum. In Königshof waren inzwischen etwa 60 ha für den Umbruch und die ständige Ackernutzung geeignet. Die Pacht betrug 500 Taler pro Jahr oder etwa 7 Taler pro Hektar.

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Abb. 5: Königshof in NNO auf dem Urmesstischblatt von 1826

Thaer erläuterte 1806 auf 157 Seiten seine doppelte Buchführung mit Debet und Kredit. (Er kam darauf in den Folgejahren in der Debatte mit Befürwortern, Skeptikern und Kritikern noch mehrfach zurück.) Er trennte u.a. deutlich das Oderbruch-Vorwerk Königshof vom Höhen-Gut Möglin und arbeitete gleichzeitig das Zusammenspiel der beiden Betriebsteile heraus. Thaer plädierte für die Notwendigkeit einer buchhalterischen Trennung von Königshof und Möglin, weil ein einfaches Zusammenlegen der Erträge die Ergebnisanalyse erschweren würde.

Er schrieb: „Es lagen nämlich vormals wenigstens 100 Morgen auf dem Bruchvorwerke zur Kuhweide, weil das Vieh den ganzen Sommer über dort war. So wie ich hier (in Möglin, d.V.) nun aber Futterkräuter ansäe, und diesen zuerst das beste Land einräume, meine Kühe auf dem Stalle futtere, kann ich jenes Weideland (in Königshof, d.V.) aufbrechen, mit Getreide besäen, und mit behackten Früchten bestellen. Dies giebt mir den Ertrag, den ich durch jenes zu Futtergewächsen liegende Land verliere, reichlich wieder, und statt 100 Morgen Bruchweide habe ich an 50 bis 60 Morgen Klee genug. So wie ich mehr Klee und Futtergewächse auf der Höhe baue, kann ich auch des Heues aus dem Bruche entbehren, und das zu Wiesen liegende Land aufbrechen. Allein der wesentlichste Vortheil ist nun der, daß ich auf der Höhe das Dreifache an Dünger gewinne, was vormals, als das Vieh im Bruche weidete, gewonnen wurde. Im Bruche selbst aber gewinne ich durch die im Winter aufgestellten und größtentheils mit Kartoffeln gemästeten Ochsen überflüssigen Dünger. Schon im künftigen Jahre, 1807, hoffe ich die völlige Unabhängigkeit der Höhe vom Bruch zu erreichen, und 1808, folglich in meinem dritten Bewirthschaftungsjahre, beides in Ordnung zu haben, welches ich mit zum Ziel vorsteckte.“

Das Vorwerk war also ursprünglich „größtentheils zu Grase liegend“, genutzt als Wiese und Sommerweide. Thaer stellte dann die Bewirtschaftung auf den Kopf. Er baute schrittweise im Bruch überwiegend Getreide und auf der Höhe vornehmlich Futter an, um über die Sommerstallfütterung Stalldung zu produzieren. Der zunächst starke Export von Heu und Streustroh von Königshof nach Möglin ging langsam gegen Null. Trotz der unterschiedlichen und auf engem Raum schnell wechselnden Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse, fruchtbarer Bruchboden und sandige Schrindstellen, trockene, alte Uferwälle und Wasserflächen, wurde das Vorwerk nun größtenteils als Ackerland genutzt und versucht, eine Fruchtfolge einzurichten. In der Kombination von gelegentlich um 5 cm vertiefter und ansonsten flacher und minimierter Bodenbearbeitung brachte der Standort gute Erträge. Die Wahl der Getreidearten, d. h. Sommer- oder Wintergetreide, Gerste oder Hafer, richtete sich nach der auf engem Raum wechselnden Bodenqualität. Der tonig-humose Boden wurde wie folgt analysiert:

  • 6 % Grob- und Mittelsand
  • 34 % säurehaltiger Extractivstoff, durch Glühen ermittelt
  • 60 % Ton

Thaer achtete beim Getreide auf eine zeitige Frühjahrsbestellung, damit das keimende Korn nicht in die häufige Trockenheit im April/Mai kam. Ab 1809 galt folgende Fruchtfolge:

  • Dreeschhafer
  • Getreide
  • Hackfrucht, gedüngt
  • Getreide
  • Wicken und Bohnen
  • Getreide
  • Getreide
  • Klee und Gras
  • Klee und Gras
  • Klee und Gras
    (Dreisch oder Dreesch für Zur-Weide-liegen oder Zu-Grase-liegen)

Im Jahre 1811 stellte er die Königshofer Fruchtfolge um:

  • Kartoffeln, Kohl oder Hanf (2 m Höhe)
  • Sommergerste
  • Winterroggen oder Hafer
  • Hafer
  • Hafer oder Roggen
  • Weide
  • Weide
  • Weide
  • Weide

1815 kam Thaer erneut auf sein Vorwerk zurück, das er ursprünglich wohl intensiv bewirtschaften und sogar vergrößern wollte. Er machte in diesem Zusammenhang einige interessante Aussagen, die den Standort gut charakterisieren: „Die Natur hat da alles, die Kunst bisher sehr wenig gethan. Um die große Triebkraft dieses Bodens zu benutzen, wie sie benutzt werden könnte, erfordert er eine sehr genaue Aufmerksamkeit … Unter diesen Umständen muß dieser Boden entweder höchst sorgfältig oder ganz nachlässig behandelt werden. … Vor meiner Zeit ward sehr wenig Getreide daselbst gebauet, fast alles lag zu Grase, und Königshof ward nur als die Wiese und Weide von Möglin betrachtet. Wie ich schon im ersten Jahre meine Sommerfütterung hier oben gewann (in Möglin, d.V.), ließ ich den größten Theil der Weide, bis auf eine Koppel für Jungvieh und Zuchtstuten, umbrachen, und so wie hier auch der größte Theil der Winterfütterung gewonnen ward, kam auch alles Wiesenland, dessen Feuchtigkeit es erlaubte, zum Umbruch.“

Mit diesen Bemerkungen machte Thaer dreierlei deutlich. Einmal zeigte sich, dass die gut fünfzig Jahre zuvor abgeschlossene Hauptwasserregulierung wirkte und ein Intensivieren der Landnutzung möglich machte, d. h. Umwidmen von Grünland/Hutung in Ackerland. Zweitens wies er auf die schwierigen Bewirtschaftungsbedingungen im Bruch wegen des Minutenbodens hin. Und schließlich wurde klar, dass die Bedeutung des Vorwerks als Lieferant für Möglin schrittweise abnahm. 1815 hatte er sein Ziel erreicht, den Höhenbetrieb vom Bruchbetrieb unabhängig zu machen. Er dachte an zwei Optionen: Entweder Verkauf oder vermehrter Anbau von Handelsgewächsen wie Hanf, Hopfen, Krappwurzeln oder Färberröte (Rubia tinctorum), Tabak, Raps, Kümmel, Färberwaid (Isatis tinctoria) und Anis (Pimpinella anisum).

Im Jahre 1820 gab er das Vorwerk Königshof im Oderbruch ab und konzentrierte sich auf sein Höhen-Gut Möglin.
Der Betrieb ist heute nur noch in Resten vorhanden, auf einem Teil des Grundstücks steht derzeit ein Ferienhaus.

4. Thaer in Möglin (Landwirt, Lehrer und Staatsdiener)

Bekanntlich betrachtete Thaer die Landwirtschaft als ein Gewerbe, welches nachhaltig Gewinn abwerfen soll. Wie schwierig das Gewerbsmäßige mit Gewinnorientierung durchzuhalten war, zeigen u.a. die Eigentumsverhältnisse und häufigen Besitzerwechsel der Rittergüter in Brandenburg zwischen 1800 und 1921. Der häufige Wechsel lässt sich auch für Möglin belegen. Zwischen 1750 und 1804 sind sechs Verkäufe dokumentiert. Als Thaer das Gut 1804 kaufte, war er der sechste Besitzer innerhalb von 54 Jahren. Danach blieb Möglin bis 1872 über 68 Jahre im Besitz der Thaer-Familie. (Nach dem Verkauf Möglins durch den Thaer-Enkel im Jahre 1872 wechselte das Gut bis zur Bodenreform von 1945 noch zweimal den Besitzer.)

Die Königliche Domänenverwaltung hatte dies Problem wohl rechtzeitig erkannt. Bereits bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren die Pachtzeiten schrittweise von sechs auf achtzehn Jahre geklettert. Zusätzlich enthielten die Pachtverträge in aller Regel kontrollfähige Auflagen zur Nachhaltigkeit. Außerdem wurden die Pachtzeiten oft verlängert. So pachtete der frühere Thaer-Mitarbeiter Johann Gottlieb Koppe die Domäne Wollup im Möglin benachbarten Oderbruch erstmalig 1827. Die Pacht blieb in der Koppe-Familie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, also für 118 Jahre.

1806 gründete Thaer unter Nutzung der Erfahrungen aus Celle ein Landwirtschaftliches Lehrinstitut, ab 1819 die Königlich Preußische Akademie des Landbaues zu Möglin. Sie gilt als Keimzelle der akademischen landwirtschaftlichen Ausbildung im deutschen Sprachraum. Die Akademie war ein privatwirtschaftlich betriebenes Unternehmen des Mögliner Gutsbesitzers. Die staatliche Unterstützung beschränkte sich weitgehend auf Gehaltszuschüsse für den Leiter und die Lehrkräfte. Die Schüler/Studenten waren meist angehende Besitzer, Pächter oder Verwalter größerer landwirtschaftlicher Unternehmen. Das Generaldirektorium bestimmte 1806, bei Einstellungen in den Staatsdienst und bei der Verpachtung von Domänen gute Zeugnisse der Anstalt zu berücksichtigen. Es war möglichst kostendeckendes Schulgeld zu zahlen. Die meist seminaristisch organisierten Lehrveranstaltungen fanden überwiegend im Sommersemester statt. Im Wintersemester bestand eine Kombinationsmöglichkeit mit dem Besuch der Berliner Universität, wo Thaer von 1810 bis 1819 als Professor der Kameralwissenschaften wirkte. Die Akademie bestand mit Höhen und Tiefen bis 1862. Nach Thaers Tod leitete sie sein Sohn. Es lassen sich 773 Studenten nachweisen, darunter 155 Ausländer. Viele kamen aus dem ost- und südosteuropäischen Raum.

Bedeutendes hat Thaer auf dem Gebiet der Schafhaltung und der Schafzucht geleistet. Der Verkauf von Zuchttieren und hochwertiger Schafwolle war eine bedeutende Einnahmequelle des Mögliner Gutsbesitzers. So erzielte er z.B. 1826 für 354 Tiere einen Preis von 15 500 Talern. Zuchtböcke erbrachten bis zu 200 Taler, auf Auktionen wesentlich mehr. Um die Einkreuzung von Merinos in die Landeszucht zur Verbesserung der Wollqualität zu fördern, regte Thaer die Gründung von Königlichen Stammschäfereien an. 1816 übernahm er ehrenamtlich die Generalintendanz der beiden neu gegründeten Stammschäfereien in Frankenfelde bei Möglin und Panten (Schlesien). 1820 entstand in Frankenfelde eine Schäferschule. Zwischen 1816 und 1849 stiegen im deutschen Raum die Schafbestände von acht auf sechszehn Millionen Tiere an. Daran hatte Thaer einen großen Anteil.

Er legte großen Wert auf die Einführung effizienter Landtechnik und gab eine Schrift mit exakten Zeichnungen zum Nachbau verschiedener Geräte heraus (Abb. 6), die er auch zum Kauf anbot. Einige Nachbauten sind in der Mögliner Ausstellung zu sehen.

Albrecht Daniel Thaer
Abb. 6: Exstirpator und Strauchegge nach Thaer

Von Möglin aus beteiligte sich Thaer an der Ausgestaltung der Preußischen Agrarreformen.
Dies auch in seiner Eigenschaft als zunächst Geheimer Kriegsrat, dann Staatsrat und später als Geheimer Oberregierungsrat. Wesentlicher Bestandteil der Agrarreformen war die Separation des bäuerlichen und gutsherrlichen Landes, die Abkehr von Gemengelage und Flurzwang. Dazu musste der Boden bonitiert werden. 1810 unterbreitete er Vorschläge zur Bodenbewertung. Wesentliche Elemente der heutigen Reichsbodenschätzung mit Bodenzahl, Ackerzahl und Zustandsstufe haben ihren Ursprung in diesen Gedanken.

1811 beteiligte er sich an der Ausarbeitung des Landeskulturedikts, das u.a. die Weidenutzung neu regelte. Zwischen 1812 und 1818 legte er Vorschläge zur Gemeinheits-Teilungsverordnung vor, die 1821 zu einer entsprechenden Regelung führten. Damit wurde der Weg geebnet zur Ablösung/Aufhebung der Waldweide und der Weide- bzw. Forstberechtigungen.

5. Was hat uns Thaer heute zu sagen?

Thaer schrieb 1810: „Die Landwirthschaft ist ein Gewerbe, welches zum Zweck hat, … Gewinn zu erzeugen oder Geld zu erwerben. Je höher dieser Gewinn nachhaltig ist, desto vollständiger wird dieser Zweck erfüllt.“

In der aktuellen Diskussion über die Einwirkungen landwirtschaftlicher Produktion auf die Umwelt werden an die Landwirtschaft oft nicht ausreichend durchdachte Forderungen gestellt. Umweltgerechtes Verhalten benötigt aber eine ökonomische Bewertung. Werden die Ökonomie oder das Gewerbliche in der Landwirtschaft nicht genügend beachtet, dann muss sich die landwirtschaftliche Produktion, regional unterschiedlich, teilweise aus der Fläche zurückziehen.

Natürlich ist eine weitgehende Umstellung auf Landschaftspflege möglich. Aber auch der die Landschaft pflegende Landwirt betreibt ein Gewerbe. Heute sagen wir dazu: Es muss sich rechnen. Schon 1810 betonte Thaer die Notwendigkeit, an die Gewinnorientierung nachhaltig heranzugehen, also in die Zukunft zu denken. Die kurzen Regelzeiträume der Europäischen Agrarordnung verletzten in der Vergangenheit häufig das Prinzip der Nachhaltigkeit. Der Landwirt wurde oft veranlasst, sich aus ökonomischen Gründen ökologisch falsch, nicht nachhaltig zu verhalten.

Thaer war bekanntlich ein Vertreter der Humustheorie in der Pflanzenernährung. Die organische Düngung in Form von Stalldung, Pflanzenrückständen und Gründünger spielte bei ihm die entscheidende Rolle. Eine Ausnahme stellte die Kalkdüngung über das Mergeln dar. Sein Schüler und zeitweiliger Mitarbeiter Carl Sprengel schuf später die Grundlagen für die Mineralstoffernährung der Pflanzen. Die Lehre hat dann Justus von Liebig mit großem Erfolg ausgebaut. Aber Thaers Humustheorie wirkt heute weiter. Die stabilisierende Rolle der organischen Bodensubstanz, die Notwendigkeit ihrer einfachen oder noch besser erweiterten Reproduktion sind unumstritten. Und ökologischer Landbau, der auf synthetische Düngemittel verzichtet, benötigt als Rückgrat humusmehrende Fruchtarten.

Der Abschied von der Dreifelderwirtschaft mit Wintergetreide – Sommergetreide – Brache, die Besömmerung der Brache mit Futterpflanzen, Hackfrüchten und Industriepflanzen und das Denken in Fruchtfolgen sind eng mit dem Namen Thaer verbunden. Er sprach von einer Rotation der Früchte, von Regeln des Fruchtwechsels. Er entwickelte Wirtschafts- oder Feldsysteme mit sechs bis zwölf Schlägen. Zunächst war Thaer ein Befürworter sehr strenger Fruchtfolgeregeln. Nachfolgend aber trat er für Flexibilität und Anpassung ein. Dies auch im Ergebnis der Diskussion mit seinem früheren Mitarbeiter und zeitweiligen Kritiker Johann Gottlieb Koppe, dem Pächter der Domäne Wollup. Im § 249 seiner Gewerbslehre von 1815 wies er darauf hin, dass Ort, Zeit und persönliche Verhältnisse zu beachten sein.

6. Schlussbemerkung
1945 wurde das Mögliner Gut im Rahmen der Bodereform entschädigungslos enteignet. Vierundzwanzig Landarbeiter und landlose Bauern, ein landarmer Bauer und vierundzwanzig Umsiedler aus den früheren östlichen Teilen des Deutschen Reiches erhielten 432,5 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Bewirtschaftung erfolgte ab 1952 schrittweise zunächst durch die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „A. D. Thaer“, danach durch eine LPG mit dem Betriebssitz im Nachbardorf. Mit dem Anschluss der DDR an die alte BRD gingen große Teile des ursprünglich aufgesiedelten Gutes an die Treuhandanstalt und dann an die Bodenverwertungs und -verwaltungs GmbH (BVVG).

Ab 1991 wirtschaftete in Möglin ein Lehr- und Demonstrationshof e.V. Aus dem Hof heraus gründete sich eine GmbH, die einen großen Teil des früheren Gutes von der BVVG kaufte. Leider hat es die BVVG verabsäumt, beim Verkauf eindeutige und einklagbare Aspekte für die landwirtschaftliche Produktion und die langfristige Absicherung der Thaerpflege zu vereinbaren. Diese Art der Privatisierung verursachte schon sehr bald Probleme, die derzeit noch nicht abschließend geklärt werden konnten.

Die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer ehrt das Andenken an Thaer mit zwei Ausstellungen in Möglin, in einem zusammen mit der Gemeinde Reichenow-Möglin errichteten Neubau und in der Dorfkirche.
Die Abbildung 7 zeigt den Neubau der Hauptausstellung. Im Gutspark befindet sich Thaers Grabstätte.

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Abb. 7: Eingang in die Hauptausstellung

Kontakt
Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer e.V.

Hauptstraße 10, OT Möglin
D-15345 Reichenow-Möglin

E-Mail: foerdergesellschaft@albrecht-daniel-thaer.org
www.albrecht-daniel-thaer.org

Vorläufige Öffnungszeiten der Ausstellungen:
Von April bis September – Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr
Von Oktober bis März – Dienstag bis Freitag 10.00 bis 16.00 Uhr
An Feiertagen und nach Voranmeldung geöffnet

Bitte die aktuellen Öffnungszeiten vor dem Besuch bestätigen lassen.
Eintritt: 2 Euro, Schüler 1 Euro, Führung 10 Euro, Videovorführung 10 Euro.
Gruppenbesuche bitte anmelden.