Projekttag zur Weide – Station Deutsch

Ein Projekttag im Korbmachermuseum Buschdorf

Nach intensiven Beratungen mit dem Kollegium der Oderbruch-Oberschule Neutrebbin schien ein Unterrichtstag zum Thema „Weide“ am besten geeignet, die verschiedenen Zugänge zur eigenen Landschaft sichtbar zu machen. Die Wahl fiel auf die beiden siebenten Klassen der Schule, unterrichtet werden sollten die Fächer WAT, Biologie, Kunst, Musik und Deutsch. Biologie und Deutsch wurden in eigenen Unterrichtsstunden vorbereitet.

Der Unterrichtstag fand am 28.November im Korbmachermuseum Buschdorf statt. Gegründet wurde das Museum von Thea Müller, die selbst Korbmachermeisterin ist und hier eine große Vielfalt an Arbeitsweisen aus vielen Teilen der Welt und verschiedenen historischen Epochen versammelt hat. In fünf Gruppen war der Tag als Stationsbetrieb angelegt:

  • Kleine Führung durch das Museum mit eigener Flechtarbeit (WAT)
  • Vom Brennholz bis zum Heugabelstiel: Die Vielfalt der Nutzungen von Weidenholz (WAT)
  • Lebendige Weiden: Wuchsformen und Arten (Biologie)
  • Dichten und Erzählen: eine Schreibwerkstatt (Deutsch)
  • Mal Mich! Weiden als Bildobjekte (Kunst)

Wer zwischen durch Hunger und Durst hatte, konnte sich aus der Küche des Museums ein paar Wiener oder einen Tee holen  Zum Abschluss wurde ein Lied auf die Weide gesungen: Weiden sind schön! Und – es war auch ein schöner Tag. Wir möchten die Kooperation von Thea Müller mit den Schulen in der Region deshalb auch weiter fördern und danken allen für ihre Mitwirkung an diesem Tag. Als Beispiel soll die Deutsch-Station folgend dokumentiert werden:

Weideflechten

Schreibwerkstatt

In dieser Station des Weidentags im Korbmachermuseum Buschdorf wurden zunächst wichtige Aspekte und Merkmale der Weide zusammengetragen: 

ihre dünne Äste,
ihr dicker Stamm,
ihre Fähigkeit, immer wieder auszutreiben,
der unheimliche Eindruck, den die Bäume im Nebel vermitteln können,
der Schutz, den sie bieten,
ihre Nutzung als Brennholz und als medizinisches Mittel zur Schmerzlinderung,
die Möglichkeit, ihre Zweige zu flechten oder
im Faschinenbau zu verwenden,
das Tropfen von den Blättern im Sommer (weshalb man sie auch weinende Weiden nennt).
Für das Oderbruch sind die Weiden typisch, man kann aber auch an die peitschende Weide von Harry Potter denken oder an den Weidenbaum, der die Hobbits im „Herrn der Ringe“ beinahe verschlingt.

Daraufhin versuchten wir uns an ein paar Elfchen:

Weide 
hat dnünne Äste

typisch fürs Oderbruch
man kann sie flechten
toll

Weide

am Wasser
dünne Äste, unheimlich,
doch brauchen wir dich
Schutz

Weiden

wachsen hier
es gibt ganz viele
sind unheimlich am Abend
schön

Kalt

muss heizen
schlage mehr Holz
im Oderbruch am Wasser
Weide

Unheimlich

Aber hilfreich
sind sehr traurig
sind ein guter Zeitvertreib
wunderbar

auch gereimte Verse wurden versucht:

Weiden sind im Oderbruch,

sie haben einen schönen Geruch.
Haben einen dicken Stamm,
manchmal ist dort auch ein Lamm.

Man kann sich verstecken zum Schutz,
kann sie auch als Schmerzmittel benutz…
Manche haben vor ihr Angst
Selten wird unter ihnen auch getanzt!

Ein zweiter Versuch bestand darin, Geschichten und Erzählungen, zu schreiben, die mit Weiden zu tun haben. Da ist der Anfang oft das Allerschwerste, weil er mit vielen Entscheidungen verbunden ist: Wo soll meine Geschichte spielen? Wie ist die Situation, von der ich ausgehe? Zum Beispiel so:

Es war an einem Sonntagmorgen in Kienitz, der Nebel schlich über die Oder und die Fischreiher flogen über sie hinweg. Dann verschwand der Nebel und ein Fischkutter tauchte auf.

Oder auch so:

Eines Abends war ich unterwegs und suchte nach Schutz. Da habe ich eine Weide entdeckt, legte mich unter sie und schlief. Auf einmal wurde ich von einem Geräusch aufgeweckt, es war ein rascheln. Ich dachte, es steht jemand hinter der Weide…

Oder so:

An einem Abend ging ich in ein Dorf. Es war sehr dunkel und windig und ich sah Tentakeln und Arme. Sie wollten mich fangen, ich rannte und die Tentakeln nahmen kein Ende. Ich rannte den ganzen Abend. Als es Morgen wurde, sah ich nur Äste. Es waren Weiden.

Eine gute Idee ist es auch, eigene Erlebnisse und Erfahrungen in eine Geschichte fließen zu lassen. Im folgenden Beispiel ist dies sehr gut geglückt:

Es waren einmal zwei beste Freunde. Einer wohnte in Spitz, der andere in Altreetz. Sie haben einen wunderschönen Baum gesucht für ein Baumhaus. Wo sie eine Korbweide gefunden haben, sah es aus wie eine Plattform. Sie bauten und bauten, bis das Baumhaus fertig war. Doch es geriet in Vergessenheit. Die Jungs besuchten es nie wieder. Dann kamen zwei andere Jungs und bauten weiter…

Man kann auch beschreiben, welche Beziehungen die Menschen zu einer Weide haben. Auch hierfür habt ihr ein gutes Beispiel entwickelt:

Es war einmal eine Weide. Sie stand am Rande der Stadt. Sie sollte gefällt werden, weil sie viel zu alt war. Aber manche Leute wollten nicht, dass die Weide gefällt wird. Sie mochten die Weide, weil sie sehr schön war und weil sie sehr viele Erinnerungen hat von den meisten Menschen. Sie haben alle sehr nachgedacht und gingen zu dem Bürgermeister und sprachen alle mit ihm. Er dachte nach und überlegte … und beschloss dann, die Weide nicht fällen zu lassen. Sie waren alle sehr glücklich darüber.

Bei den späteren Gruppen, die die Schreibwerkstatt erreichten, entschieden wir uns, anhand der Figur eines Korbflechters eine Geschichte zu entwickeln. Hier hat man viele Möglichkeiten. Zum Beispiel kann man auf die Härte dieser Arbeit verweisen und von dort aus etwas entwickeln:

Es lebte in einer Kleinstadt eine Korbflechterin. Sie arbeitete von früh bis spät in die Nacht hinein. Doch eines Tages kam ein fremder Mann hinein und bestellte 10 Körbe. Und die Frau arbeitete von früh um 10 bis 12 Uhr und hatte alle Körbe fertig. Der Mann aber reklamierte die Körbe, wie sie ihm nicht gefielen. Er sagte: „Können sie die Körbe nochmal machen?“ Sie fragte: Was soll ich mit den anderen machen? Er ging zu den Körben und machte jeden einzelnen kaputt. Sie schimpfte: „Sie werden die Körbe bezahlen!“ Dann kam die Freundin von der Korbflechterin, sie half ihr, den Mann das bezahlen zu müssen. Der Mann bezahlte und verschwand.

Oder auch so:

Einst lebte eine junge Korbflechterin, die mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf nahe der Oder wohnte. Mit ihren acht Jahren war sie für ihre Eltern eine sehr große Hilfe. Ihr Vater war aufgebrochen, um Kopfweiden zu köpfen, denn für ihr Haus wollten sie einen Zaun flechten. Als der Vater nach einigen Stunden mit den ersten Fuhren von Weidenästen kam, forderte er Gertrud auf, schon mit dem Flechten zu beginnen. Es fiel ihr schwer, aber trotzdem wollte sie ihre Eltern nicht enttäuschen, denn sie hatte es ihnen versprochen. Am Abend nach dem Essen fiel sie gleich wie tot ins Bett…

Eher lustig (und nicht ganz richtig nachgezählt) erscheint die folgende Begebenheit, in der etwas Seltsames passiert, das dann ganz harmlos aufgelöst wird:

Es war einmal eine Korbflechterin, die einen Brief erhielt, es stand drin: „Hallo erstmal, ich will jetzt nicht drängeln, aber ich brauche fünf Körbe, geflochten natürlich, und das bis morgen früh um zehn. Ich weiß auch, dass es 22 Uhr ist, doch ich brauche sie dringend für eine wichtige Lieferung von Lebensmitteln. Ich zahle im Voraus, hier 521 Euro. Also bis morgen früh!“ Entsetzt machte sie sich an die Arbeit. Null Uhr war der erste Korb fertig und der zweite Korb um zwei Uhr, doch dann fielen ihr die Augen zu und sie schlief ein. „Ding Dong!“ Plötzlich wurde sie wach und rannte zur Tür, sie öffnete die Tür und sah einen maskierten Mann ´, der fragte nach den fünf Körben. Die Korbflechterin meinte, dass nur drei Körbe fertig sind. Der maskierte Mann meint, das wär nicht so schlimm und geht mit den drei Körben zum Wagen…“

Gute Geschichten entstehen auch dadurch, dass etwas Fremdes, Unbekanntes in das Leben eines Menschen einbricht. Das zeigt das folgende Beispiel sehr gut:

Ein alter Korbflechter lebte in Neutrebbin von seinen Körben. Aber er hatte nicht viel Geld. Keiner wollte bei ihm lernen und niemand wollte seine Körbe kaufen. Eines Tages ging er in die Stadt, um seine Körbe zu verkaufen. Nach langem Warten kam eine Frau. Sie guckte sich die Körbe an und lachte. Der alte Korbflechter wunderte sich, er hatte die Frau noch nie gesehen. Sie sagte: „Ich kaufe alle!“ und zahle noch mehr, wenn sie  mir etwas versprechen. Der Mann traute der Frau nicht…

Oder so:

Es war einmal eine Korbflechterin, die musste jeden Tag Körbe flechten. Das war ihr zu anstrengend. Eines Tages ging sie zum Markt, da kam ein Wichtel und klaute ihre Sachen. Sie folgte ihm und sah eine Höhle. Sie ging hinein und suchte den Wichtel…

Und natürlich kann das Neue, Unbekannte, das in das Leben eindringt, auch das Glück bedeuten, wie die folgende Geschichte zeigt:

Es war einmal eine Korbflechterin, die hieß Louisa. Sie war 1 Jahre alt und wohnte in Neuhardenberg. Ihre Körbe sind gut rausgegangen. Einmal kam ein unbekannter Mann. Er wollte in sechs Tagen ein Hochzeitsbett geflochten haben. Da meinte sie, das wäre unmöglich. Er versprach ihr aber viel Geld. Als der Mann weg war, fing sie sofort an zu arbeiten und arbeitete sechs Tage an dem Hochzeitsbett. Dann kam der Mann, um das Bett abzuholen. Er bestaunte das Bett, drehte sich um und fragte: Willst du mich heiraten? Sie antwortet: Ja, ich will. Vier Monate später heiratete sie und das Hochzeitsbett machte sich nützlich.

Und immer wieder kann man anhand von Geschichten zeigen, dass das Leben der Korbmacher von harter Arbeit geprägt ist, so dass es gar nicht leicht, ist, geeigneten Nachwuchs zu finden:

Es war einmal eine alte Korbflechterin, die hieß Bonnie, sie lebte schon lange in diesem Dorf namens Alttrebbin, alleine in ihrem Haus. Eines Tages konnte sie nicht mehr flechten, weil sie einen schweren Unfall hatte. Die Frau fragte sich, was jetzt tun? Sie suchte einen Lehrling. Es dauerte aber ein wenig. Aber sie holte sich Brötchen vom Bäcker und fragte den jungen Mann dort, ob er nicht Lust hätte, Korbflechter zu lernen. Er sagte sofort ja, aber unter einer Bedingung: Ich muss nicht früh aufstehen. Sie sagte: ok! Am nächsten Tag kam er wirklich, die Frau war erstaunt und so lehrte sie ihn das Korbflechten. Er war am Anfang sehr tolpatschig und hat sich dumm angestellt, aber je mehr er es tat, umso besser wurde er. Aber das späte Aufstehen störte die Frau und sie überlegte, wie sie es schafft, es ihm auszureden. Sie versuchte, mit ihm zu reden. Er wollte es nicht verstehen, sah es dann aber doch ein und stand immer auf und ihm machte es Spaß.

Alles in allem hat die Schreibwerkstatt gut funktioniert. Es war schön, zu sehen, wie ihr euch in die Welt der Weiden hineingedacht und geträumt habt und wie geschickt ihr mit dem umgegangen seid, was wir zuvor über diesen Baum zusammengetragen hatten.